Lochstreifen: Unterschied zwischen den Versionen

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Ein '''Lochstreifen''' ist ein aus [[Papier]], [[Kunststoff]] oder einem Metall-Kunststoff-[[Laminat]] bestehender streifenförmiger [[Datenträger]], dessen [[Information]] durch eingestanzte Löcher repräsentiert wird. Das Prinzip entspricht einer [[Lochkarte]] mit variabler Länge.
Ein '''Lochstreifen''' ist ein aus Papier, Kunststoff oder einem Metall-Kunststoff-Laminat bestehender streifenförmiger Datenträger, dessen Information durch eingestanzte Löcher repräsentiert wird. Das Prinzip entspricht einer Lochkarte mit variabler Länge.
 
Beim Personal in der [[Führungsunterstützung]] der Bundeswehr wurde bzw. wird der Lochstreifen liebevoll "Lollo" genannt.


== Geschichte ==
== Geschichte ==


Bereits im 18. Jahrhundert wurden ''Lochstreifen'', hier aneinander gereihte Holzplättchen zur Steuerung von [[Webstuhl|Webstühlen]], verwendet. Auch im 21. Jahrhundert sind solche Webstühle, mit Metallgliederstreifen, noch bei [[Tartan (Muster)|Tartan]]webereien in Verwendung.
Bereits im 18. Jahrhundert wurden ''Lochstreifen'', hier aneinander gereihte Holzplättchen zur Steuerung von Webstühlen, verwendet. Auch im 21. Jahrhundert sind solche Webstühle, mit Metallgliederstreifen, noch bei Tartanwebereien in Verwendung.


Bei [[Drehorgel]]n dienen bis heute auch [[Notenrolle]]n mit ähnlichem Prinzip als Informationsträger. Sie werden pneumatisch ausgelesen, und ihre Lochungen sind teilweise analog, indem ein langer Ton einfach durch ein längliches Loch erzeugt wird.
Bei Drehorgeln dienen bis heute auch Notenrollen mit ähnlichem Prinzip als Informationsträger. Sie werden pneumatisch ausgelesen, und ihre Lochungen sind teilweise analog, indem ein langer Ton einfach durch ein längliches Loch erzeugt wird.


Die Lochstreifen dienen seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch der Darstellung und Speicherung von [[Daten]]. Zunächst wurden sie in der Datenübermittlung durch [[Telegrafie|Telegrafen]] eingesetzt. Dabei wurden [[Morsen|Morse]]-Punkte (kurze Signale) z. B. durch senkrecht übereinanderstehende Löcher, Striche (lange Signale) durch diagonal angeordnete Löcher kodiert ([[Charles Wheatstone|Wheatstone]]-Lochstreifen-[[Code]]). Die heute noch bekannten Lochstreifen werden als [[Datenspeicher|Speichermedium]] für [[Fernschreiber]] und [[Computer]] eingesetzt. Auch in der [[Numerische Steuerung|numerischen Steuerung]] von Werkzeugmaschinen finden sie Verwendung.
Die Lochstreifen dienen seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch der Darstellung und Speicherung von Daten. Zunächst wurden sie in der Datenübermittlung durch [[Telegrafie|Telegrafen]] eingesetzt. Dabei wurden [[:de:Morsen|Morse]]-Punkte (kurze Signale) z. B. durch senkrecht übereinanderstehende Löcher, Striche (lange Signale) durch diagonal angeordnete Löcher kodiert ([[Charles Wheatstone|Wheatstone]]-Lochstreifen-Code). Die heute noch bekannten Lochstreifen werden als Speichermedium für [[Fernschreiber]] und Computer eingesetzt. Auch in der numerischen Steuerung von Werkzeugmaschinen finden sie Verwendung.


Der Lochstreifen ist der Vorläufer der [[Lochkarte]] als Datenspeicher. Die Lochkarte als Datenspeicher wurde erstmals 1890 von der staatlichen Verwaltung in den USA bei der [[Volkszählung]] durch [[Herman Hollerith]] eingesetzt.
Der Lochstreifen ist der Vorläufer der Lochkarte als Datenspeicher. Die Lochkarte als Datenspeicher wurde erstmals 1890 von der staatlichen Verwaltung in den USA bei der Volkszählung durch Herman Hollerith eingesetzt.


Lochstreifen und ähnliche mechanische Speichersysteme wie Lochkarten waren vor dem Aufkommen magnetischer Speichermedien wie dem [[Magnetband]] und der [[Festplatte|Magnetplatte]] die wirtschaftlichsten les- und beschreibbaren [[Datenträger]]. Aufgrund ihrer Robustheit, der einfachen Handhabung und weiten Verbreitung, sowie der Tatsache, dass sie notfalls mit bloßem Auge gelesen werden können, werden Lochstreifen in geringem Maße noch zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts z. B. in der militärischen Nachrichtentechnik eingesetzt. Im Computerbereich haben sie ihre Bedeutung allerdings verloren.
Lochstreifen und ähnliche mechanische Speichersysteme wie Lochkarten waren vor dem Aufkommen magnetischer Speichermedien wie dem Magnetband und der Magnetplatte die wirtschaftlichsten les- und beschreibbaren Datenträger. Aufgrund ihrer Robustheit, der einfachen Handhabung und weiten Verbreitung, sowie der Tatsache, dass sie notfalls mit bloßem Auge gelesen werden können, werden Lochstreifen in geringem Maße noch zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts z. B. in der militärischen Nachrichtentechnik eingesetzt. Im Computerbereich haben sie ihre Bedeutung allerdings verloren.


Konkret wurden Lochstreifen in der Computertechnik vielfältig verwendet: Für Programm-[[Quelltext]]e, für [[Compiler|compilierten Binärcode]], für Datensätze und oftmals als Steuerstreifen für [[Peripheriegerät]]e. Ein konkreter Arbeitstag für einen Programmierer sah dann so aus, dass er an einem Fernschreiber (oder später Lochstreifenterminal) ein Programm eintippte, danach einen weiteren Lochstreifen mit einem Datensatz erstellte und damit schließlich zum Computer ging. Dort las er den bereitliegenden Compiler in Form eines strapazierfähigen Kunststoff-Lochstreifens ein, danach seinen Programmlochstreifen und nach dem Start des Programms den Datenstreifen. Der Computer produzierte dann einen Ergebnis-Lochstreifen, den man entweder in Klartext am Fernschreiber ausdruckte oder, wenn es sich um einen Steuerlochstreifen handelte, damit beispielsweise in einen weiteren Raum ging, wo ein schreibtischgroßer [[Plotter]] stand, der diesen Lochstreifen als Eingabe akzeptierte und ein Diagramm produzierte.
Konkret wurden Lochstreifen in der Computertechnik vielfältig verwendet: Für Programm-Quelltexte, für compilierten Binärcode, für Datensätze und oftmals als Steuerstreifen für Peripheriegeräte. Ein konkreter Arbeitstag für einen Programmierer sah dann so aus, dass er an einem Fernschreiber (oder später Lochstreifenterminal) ein Programm eintippte, danach einen weiteren Lochstreifen mit einem Datensatz erstellte und damit schließlich zum Computer ging. Dort las er den bereitliegenden Compiler in Form eines strapazierfähigen Kunststoff-Lochstreifens ein, danach seinen Programmlochstreifen und nach dem Start des Programms den Datenstreifen. Der Computer produzierte dann einen Ergebnis-Lochstreifen, den man entweder in Klartext am Fernschreiber ausdruckte oder, wenn es sich um einen Steuerlochstreifen handelte, damit beispielsweise in einen weiteren Raum ging, wo ein schreibtischgroßer Plotter stand, der diesen Lochstreifen als Eingabe akzeptierte und ein Diagramm produzierte.


Wenn das Programm dagegen Fehler aufwies, musste man diese [[Fehlerbereinigung|bereinigen]]. Dabei boten Lochstreifen einen besonderen Vorteil: Sie waren in Grenzen per Hand korrigierbar. Wenn es um einzelne zu korrigierende Zeichen ging, konnte man manchmal sogar mit einer ''Handstanze'' einzelne Löcher hinzufügen;<ref>Zukleben von überzähligen Löchern war dagegen aufwendiger und war nur mit späteren Ausführungen von Handstanzen möglich, indem ein schwarzer Klebefilm über die ganze Streifenbreite geklebt wurde und anschließend alle weiter benötigten Löcher von Hand nachgelocht werden mussten.</ref> beliebige Zeichen ließen sich beim Baudot-Code durch ein Bu-Zeichen (alle 5 Löcher) oder im ASCII-Code durch ein DEL-Zeichen (alle 7 Löcher) eliminieren, allerdings nur in seltenen Fällen durch ein anderes Zeichen ersetzen. Für größere Änderungen musste man nur in vernünftigen Abständen Sequenzen von reiner Transportlochung einfügen, was normalerweise einem nicht benutzten Code „null“ entsprach. Dann konnte man in diesen Stellen mit einer Schere schneiden und ein korrigiertes Stück per Klebung mit schwarzem Klebeband (für optische Abtastung) einfügen. Das ''Programmierwerkzeug'' (oder ''-besteck''), das man mitbringen musste, bestand dann aus einer geraden Papierschere, einer Rolle schwarzem Klebeband und einem Filzschreiber zum Beschriften des fertigen Lochstreifens.
Wenn das Programm dagegen Fehler aufwies, musste man diese bereinigen. Dabei boten Lochstreifen einen besonderen Vorteil: Sie waren in Grenzen per Hand korrigierbar. Wenn es um einzelne zu korrigierende Zeichen ging, konnte man manchmal sogar mit einer ''Handstanze'' einzelne Löcher hinzufügen;<ref>Zukleben von überzähligen Löchern war dagegen aufwendiger und war nur mit späteren Ausführungen von Handstanzen möglich, indem ein schwarzer Klebefilm über die ganze Streifenbreite geklebt wurde und anschließend alle weiter benötigten Löcher von Hand nachgelocht werden mussten.</ref> beliebige Zeichen ließen sich beim Baudot-Code durch ein Bu-Zeichen (alle 5 Löcher) oder im ASCII-Code durch ein DEL-Zeichen (alle 7 Löcher) eliminieren, allerdings nur in seltenen Fällen durch ein anderes Zeichen ersetzen. Für größere Änderungen musste man nur in vernünftigen Abständen Sequenzen von reiner Transportlochung einfügen, was normalerweise einem nicht benutzten Code „null“ entsprach. Dann konnte man in diesen Stellen mit einer Schere schneiden und ein korrigiertes Stück per Klebung mit schwarzem Klebeband (für optische Abtastung) einfügen. Das ''Programmierwerkzeug'' (oder ''-besteck''), das man mitbringen musste, bestand dann aus einer geraden Papierschere, einer Rolle schwarzem Klebeband und einem Filzschreiber zum Beschriften des fertigen Lochstreifens.


== Technisches ==
== Technisches ==
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=== Lochstreifenstanzer ===
=== Lochstreifenstanzer ===


Zum Beschreiben eines Lochstreifens werden Stanzgeräte verwendet, die im [[Rechter Winkel|rechten Winkel]] zur Laufrichtung eine Leiste von Stanzköpfen besitzen. Für jedes zu speichernde Zeichen wird eine Spalte des Lochstreifens mit einem entsprechenden Muster ''bestanzt''. Das Führungsloch wird immer ausgestanzt. Danach wird der Streifen eine Position weitergeführt und das nächste Zeichen geschrieben. Stanzgeräte an einem [[Fernschreiber]] stanzen typischerweise 6 2/3 Zeichen (Lochreihen) pro Sekunde, neuere Stanzgeräte erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 150 Zeichen pro Sekunde.
Zum Beschreiben eines Lochstreifens werden Stanzgeräte verwendet, die im rechten Winkel zur Laufrichtung eine Leiste von Stanzköpfen besitzen. Für jedes zu speichernde Zeichen wird eine Spalte des Lochstreifens mit einem entsprechenden Muster ''bestanzt''. Das Führungsloch wird immer ausgestanzt. Danach wird der Streifen eine Position weitergeführt und das nächste Zeichen geschrieben. Stanzgeräte an einem [[Fernschreiber]] stanzen typischerweise 6 2/3 Zeichen (Lochreihen) pro Sekunde, neuere Stanzgeräte erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 150 Zeichen pro Sekunde.


=== Lochstreifenleser ===  
=== Lochstreifenleser ===  
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Die Abtastung des Lochstreifens kann auf verschiedene Arten geschehen: mechanisch, elektrisch, optisch oder elektrostatisch.
Die Abtastung des Lochstreifens kann auf verschiedene Arten geschehen: mechanisch, elektrisch, optisch oder elektrostatisch.


Bei der ''mechanischen Abtastung'' wird der Streifen mittels eines in die Führungslöcher greifenden Stachelrädchens zeichenweise transportiert und die Löcher mit mechanischen Fühlern abgetastet, die in ihrer Anordnung den Stanzköpfen des Schreibers entsprechen. Die mechanischen Lesegeräte, die meist im Zusammenhang mit [[Fernschreiber|Fernschreibern]] stehen, arbeiten ebenfalls typischerweise mit einer Geschwindigkeit von 6&nbsp;2/3 Zeichen pro Sekunde.
Bei der ''mechanischen Abtastung'' wird der Streifen mittels eines in die Führungslöcher greifenden Stachelrädchens zeichenweise transportiert und die Löcher mit mechanischen Fühlern abgetastet, die in ihrer Anordnung den Stanzköpfen des Schreibers entsprechen. Die mechanischen Lesegeräte, die meist im Zusammenhang mit [[Fernschreiber|Fernschreibern]] stehen, arbeiten ebenfalls typischerweise mit einer Geschwindigkeit von 6 2/3 Zeichen pro Sekunde.


Der ''elektrische Lochstreifenleser'' verfügt über eine Reihe von Kontaktstiften, die die mechanischen [[Fühlhebel]] ersetzen. Der Lochstreifen wird über die Stifte geführt, die nur einen Kontakt schließen können, wenn an ihrer jeweiligen Position ein Loch ausgestanzt ist. Die Streifenführung wird wie beim mechanischen Lochstreifenleser über ein Stachelrädchen bewerkstelligt. Elektrische Lesegeräte erreichen höhere Geschwindigkeiten als mechanische.
Der ''elektrische Lochstreifenleser'' verfügt über eine Reihe von Kontaktstiften, die die mechanischen Fühlhebel ersetzen. Der Lochstreifen wird über die Stifte geführt, die nur einen Kontakt schließen können, wenn an ihrer jeweiligen Position ein Loch ausgestanzt ist. Die Streifenführung wird wie beim mechanischen Lochstreifenleser über ein Stachelrädchen bewerkstelligt. Elektrische Lesegeräte erreichen höhere Geschwindigkeiten als mechanische.


''Optische Lesegeräte'' benutzen anstelle der Fühlerarme oder Kontaktstifte eine Reihe von Lichtschranken für die Datenlöcher und das Führungsloch, das hier nur noch zur Datensynchronisation (Strobe-Impuls) benutzt wird. Der Streifen wird mittels eines [[Capstan]]-Antriebes transportiert, es existieren auch optische Lochstreifenleser, die über eine Bremse verfügen, um den Streifen sehr schnell starten und stoppen können (stoppen aus vollem Tempo, ohne ein weiteres Loch zu überlaufen). Die Geschwindigkeiten optischer Lochstreifenleser betragen über 1000 Zeichen pro Sekunde; der schnellste kommerziell verfügbare Leser kam vom dänischen Hersteller [[Regnecentralen|A/S Regnecentralen]] mit 2000 Zeichen pro Sekunde<ref>[http://www.datamuseum.dk/site_dk/rc/isakdok/51.html Datenblatt und Abbildung des Lochstreifenlesers RC 2000] (englisch)</ref>.
''Optische Lesegeräte'' benutzen anstelle der Fühlerarme oder Kontaktstifte eine Reihe von Lichtschranken für die Datenlöcher und das Führungsloch, das hier nur noch zur Datensynchronisation (Strobe-Impuls) benutzt wird. Der Streifen wird mittels eines Capstan-Antriebes transportiert, es existieren auch optische Lochstreifenleser, die über eine Bremse verfügen, um den Streifen sehr schnell starten und stoppen können (stoppen aus vollem Tempo, ohne ein weiteres Loch zu überlaufen). Die Geschwindigkeiten optischer Lochstreifenleser betragen über 1000 Zeichen pro Sekunde; der schnellste kommerziell verfügbare Leser kam vom dänischen Hersteller A/S Regnecentralen mit 2000 Zeichen pro Sekunde<ref>[http://www.datamuseum.dk/site_dk/rc/isakdok/51.html Datenblatt und Abbildung des Lochstreifenlesers RC 2000] (englisch)</ref>.


=== Lochstreifenformate ===
=== Lochstreifenformate ===


Es existieren zwei zueinander mechanisch kompatible Streifenformate: Der in der Fernschreibtechnik und frühen Computertechnik gebräuchliche Lochstreifen hat eine Breite von 17,4&nbsp;mm und verfügt über 5 parallele Datenlochpositionen plus einem kleineren Führungsloch, das zwischen Datenloch 3 und 4 liegt. Die Datenlöcher sind in einem quadratischen Raster von 2,54&nbsp;mm&nbsp;= 1/10&nbsp;Zoll angeordnet.<ref>[http://www.polyomino.org.uk/computer/ECMA-10/ ECMA-10-Standard], siehe Kapitel&nbsp;2 (engl.)</ref>
Es existieren zwei zueinander mechanisch kompatible Streifenformate: Der in der Fernschreibtechnik und frühen Computertechnik gebräuchliche Lochstreifen hat eine Breite von 17,4 mm und verfügt über 5 parallele Datenlochpositionen plus einem kleineren Führungsloch, das zwischen Datenloch 3 und 4 liegt. Die Datenlöcher sind in einem quadratischen Raster von 2,54 mm = 1/10 Zoll angeordnet.<ref>[http://www.polyomino.org.uk/computer/ECMA-10/ ECMA-10-Standard], siehe Kapitel 2 (engl.)</ref> Die später hauptsächlich in der Computertechnik verbreiteten Lochstreifen haben eine Breite von 25,4 mm und verfügen über 8 Datenlochpositionen. Das Führungsloch liegt hier wie beim erstgenannten Format zwischen Loch 3 und 4. Bei beiden Formaten werden auf einen Zoll (25,4 mm) Lochstreifen 10 Zeichen (Reihen) gestanzt. Die beiden Lochstreifenformate sind dadurch, wenn man sie übereinanderlegt, in der Breite des schmaleren Streifens deckungsgleich. Dadurch kann ein 5-Kanal-Streifen oft problemlos in einem 8-Kanal-Lesegerät abgetastet werden (zumindest, wenn das Lesegerät die Führungslöcher zur Führung des Streifens benutzt – was bei optischen Lesern i. d. R. nicht der Fall ist). Umgekehrt geht das nicht. Es existieren auch Geräte, die durch Justage der Streifenführung beide Streifenbreiten stanzen können.
Die später hauptsächlich in der Computertechnik verbreiteten Lochstreifen haben eine Breite von 25,4&nbsp;mm und verfügen über 8 Datenlochpositionen. Das Führungsloch liegt hier wie beim erstgenannten Format zwischen Loch 3 und 4. Bei beiden Formaten werden auf einen Zoll (25,4&nbsp;mm) Lochstreifen 10 Zeichen (Reihen) gestanzt. Die beiden Lochstreifenformate sind dadurch, wenn man sie übereinanderlegt, in der Breite des schmaleren Streifens deckungsgleich. Dadurch kann ein 5-Kanal-Streifen oft problemlos in einem 8-Kanal-Lesegerät abgetastet werden (zumindest, wenn das Lesegerät die Führungslöcher zur Führung des Streifens benutzt – was bei optischen Lesern i. d. R. nicht der Fall ist). Umgekehrt geht das nicht. Es existieren auch Geräte, die durch Justage der Streifenführung beide Streifenbreiten stanzen können.


Auf einem 8-Kanal-Lochstreifen können 256 verschiedene Zeichen gespeichert werden, auf einem 5-Kanal-Lochstreifen zunächst nur 32. Beim [[Baudot-Code]] kann über zwei spezielle Steuerzeichen zwischen zwei Codehälften umgeschaltet werden, so dass insgesamt 59 wirksame Zeichen codiert werden können.
Auf einem 8-Kanal-Lochstreifen können 256 verschiedene Zeichen gespeichert werden, auf einem 5-Kanal-Lochstreifen zunächst nur 32. Beim [[:de:Baudot-Code|Baudot-Code]] kann über zwei spezielle Steuerzeichen zwischen zwei Codehälften umgeschaltet werden, so dass insgesamt 59 wirksame Zeichen codiert werden können.


[[Datei:Papertape2.jpg|mini|Lochstreifen in Leporellofaltung]]
[[Datei:Papertape2.jpg|mini|Lochstreifen in Leporellofaltung]]
Zusätzlich gibt es unterschiedliche Verfahren für längere Lochstreifen: In den meisten Fällen werden sie wie ältere analoge Filme mit sehr ähnlicher Mechanik wie dort auf Spulen aufgewickelt, speziell beim Hersteller [[Digital Equipment Corporation|DEC]] war aber auch eine Art [[Leporello (Heft)|Leporellofaltung]] üblich.
Zusätzlich gibt es unterschiedliche Verfahren für längere Lochstreifen: In den meisten Fällen werden sie wie ältere analoge Filme mit sehr ähnlicher Mechanik wie dort auf Spulen aufgewickelt, speziell beim Hersteller DEC war aber auch eine Art Leporellofaltung üblich.


== Weblinks ==
== Weblinks ==
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* Artikel über [http://rechentechnik.foerderverein-tsd.de/speicher/node1.html Lochstreifen] in dem Lexikon eines Fördervereins für Technik
* Artikel über [http://rechentechnik.foerderverein-tsd.de/speicher/node1.html Lochstreifen] in dem Lexikon eines Fördervereins für Technik
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== Quelle ==
== Quelle ==
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Lochstreifen Deutsche Wikipedi]
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Lochstreifen Deutsche Wikipedia]

Aktuelle Version vom 27. September 2016, 11:10 Uhr

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Lochstreifen eines Typendruck-Schnelltelegrafen von Siemens & Halske (1905)
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8-Kanal-Lochstreifen
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Lochkarte im Einsatz als Parkschein (2008)
Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:
Monotype Gießmaschine mit Lochstreifensteuerung

Ein Lochstreifen ist ein aus Papier, Kunststoff oder einem Metall-Kunststoff-Laminat bestehender streifenförmiger Datenträger, dessen Information durch eingestanzte Löcher repräsentiert wird. Das Prinzip entspricht einer Lochkarte mit variabler Länge.

Beim Personal in der Führungsunterstützung der Bundeswehr wurde bzw. wird der Lochstreifen liebevoll "Lollo" genannt.

Geschichte

Bereits im 18. Jahrhundert wurden Lochstreifen, hier aneinander gereihte Holzplättchen zur Steuerung von Webstühlen, verwendet. Auch im 21. Jahrhundert sind solche Webstühle, mit Metallgliederstreifen, noch bei Tartanwebereien in Verwendung.

Bei Drehorgeln dienen bis heute auch Notenrollen mit ähnlichem Prinzip als Informationsträger. Sie werden pneumatisch ausgelesen, und ihre Lochungen sind teilweise analog, indem ein langer Ton einfach durch ein längliches Loch erzeugt wird.

Die Lochstreifen dienen seit Mitte des 19. Jahrhunderts auch der Darstellung und Speicherung von Daten. Zunächst wurden sie in der Datenübermittlung durch Telegrafen eingesetzt. Dabei wurden Morse-Punkte (kurze Signale) z. B. durch senkrecht übereinanderstehende Löcher, Striche (lange Signale) durch diagonal angeordnete Löcher kodiert (Wheatstone-Lochstreifen-Code). Die heute noch bekannten Lochstreifen werden als Speichermedium für Fernschreiber und Computer eingesetzt. Auch in der numerischen Steuerung von Werkzeugmaschinen finden sie Verwendung.

Der Lochstreifen ist der Vorläufer der Lochkarte als Datenspeicher. Die Lochkarte als Datenspeicher wurde erstmals 1890 von der staatlichen Verwaltung in den USA bei der Volkszählung durch Herman Hollerith eingesetzt.

Lochstreifen und ähnliche mechanische Speichersysteme wie Lochkarten waren vor dem Aufkommen magnetischer Speichermedien wie dem Magnetband und der Magnetplatte die wirtschaftlichsten les- und beschreibbaren Datenträger. Aufgrund ihrer Robustheit, der einfachen Handhabung und weiten Verbreitung, sowie der Tatsache, dass sie notfalls mit bloßem Auge gelesen werden können, werden Lochstreifen in geringem Maße noch zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts z. B. in der militärischen Nachrichtentechnik eingesetzt. Im Computerbereich haben sie ihre Bedeutung allerdings verloren.

Konkret wurden Lochstreifen in der Computertechnik vielfältig verwendet: Für Programm-Quelltexte, für compilierten Binärcode, für Datensätze und oftmals als Steuerstreifen für Peripheriegeräte. Ein konkreter Arbeitstag für einen Programmierer sah dann so aus, dass er an einem Fernschreiber (oder später Lochstreifenterminal) ein Programm eintippte, danach einen weiteren Lochstreifen mit einem Datensatz erstellte und damit schließlich zum Computer ging. Dort las er den bereitliegenden Compiler in Form eines strapazierfähigen Kunststoff-Lochstreifens ein, danach seinen Programmlochstreifen und nach dem Start des Programms den Datenstreifen. Der Computer produzierte dann einen Ergebnis-Lochstreifen, den man entweder in Klartext am Fernschreiber ausdruckte oder, wenn es sich um einen Steuerlochstreifen handelte, damit beispielsweise in einen weiteren Raum ging, wo ein schreibtischgroßer Plotter stand, der diesen Lochstreifen als Eingabe akzeptierte und ein Diagramm produzierte.

Wenn das Programm dagegen Fehler aufwies, musste man diese bereinigen. Dabei boten Lochstreifen einen besonderen Vorteil: Sie waren in Grenzen per Hand korrigierbar. Wenn es um einzelne zu korrigierende Zeichen ging, konnte man manchmal sogar mit einer Handstanze einzelne Löcher hinzufügen;[1] beliebige Zeichen ließen sich beim Baudot-Code durch ein Bu-Zeichen (alle 5 Löcher) oder im ASCII-Code durch ein DEL-Zeichen (alle 7 Löcher) eliminieren, allerdings nur in seltenen Fällen durch ein anderes Zeichen ersetzen. Für größere Änderungen musste man nur in vernünftigen Abständen Sequenzen von reiner Transportlochung einfügen, was normalerweise einem nicht benutzten Code „null“ entsprach. Dann konnte man in diesen Stellen mit einer Schere schneiden und ein korrigiertes Stück per Klebung mit schwarzem Klebeband (für optische Abtastung) einfügen. Das Programmierwerkzeug (oder -besteck), das man mitbringen musste, bestand dann aus einer geraden Papierschere, einer Rolle schwarzem Klebeband und einem Filzschreiber zum Beschriften des fertigen Lochstreifens.

Technisches

Lochstreifenstanzer

Zum Beschreiben eines Lochstreifens werden Stanzgeräte verwendet, die im rechten Winkel zur Laufrichtung eine Leiste von Stanzköpfen besitzen. Für jedes zu speichernde Zeichen wird eine Spalte des Lochstreifens mit einem entsprechenden Muster bestanzt. Das Führungsloch wird immer ausgestanzt. Danach wird der Streifen eine Position weitergeführt und das nächste Zeichen geschrieben. Stanzgeräte an einem Fernschreiber stanzen typischerweise 6 2/3 Zeichen (Lochreihen) pro Sekunde, neuere Stanzgeräte erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 150 Zeichen pro Sekunde.

Lochstreifenleser

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:
DEC PTR/PTP10 Leser/Stanzer

Die Abtastung des Lochstreifens kann auf verschiedene Arten geschehen: mechanisch, elektrisch, optisch oder elektrostatisch.

Bei der mechanischen Abtastung wird der Streifen mittels eines in die Führungslöcher greifenden Stachelrädchens zeichenweise transportiert und die Löcher mit mechanischen Fühlern abgetastet, die in ihrer Anordnung den Stanzköpfen des Schreibers entsprechen. Die mechanischen Lesegeräte, die meist im Zusammenhang mit Fernschreibern stehen, arbeiten ebenfalls typischerweise mit einer Geschwindigkeit von 6 2/3 Zeichen pro Sekunde.

Der elektrische Lochstreifenleser verfügt über eine Reihe von Kontaktstiften, die die mechanischen Fühlhebel ersetzen. Der Lochstreifen wird über die Stifte geführt, die nur einen Kontakt schließen können, wenn an ihrer jeweiligen Position ein Loch ausgestanzt ist. Die Streifenführung wird wie beim mechanischen Lochstreifenleser über ein Stachelrädchen bewerkstelligt. Elektrische Lesegeräte erreichen höhere Geschwindigkeiten als mechanische.

Optische Lesegeräte benutzen anstelle der Fühlerarme oder Kontaktstifte eine Reihe von Lichtschranken für die Datenlöcher und das Führungsloch, das hier nur noch zur Datensynchronisation (Strobe-Impuls) benutzt wird. Der Streifen wird mittels eines Capstan-Antriebes transportiert, es existieren auch optische Lochstreifenleser, die über eine Bremse verfügen, um den Streifen sehr schnell starten und stoppen können (stoppen aus vollem Tempo, ohne ein weiteres Loch zu überlaufen). Die Geschwindigkeiten optischer Lochstreifenleser betragen über 1000 Zeichen pro Sekunde; der schnellste kommerziell verfügbare Leser kam vom dänischen Hersteller A/S Regnecentralen mit 2000 Zeichen pro Sekunde[2].

Lochstreifenformate

Es existieren zwei zueinander mechanisch kompatible Streifenformate: Der in der Fernschreibtechnik und frühen Computertechnik gebräuchliche Lochstreifen hat eine Breite von 17,4 mm und verfügt über 5 parallele Datenlochpositionen plus einem kleineren Führungsloch, das zwischen Datenloch 3 und 4 liegt. Die Datenlöcher sind in einem quadratischen Raster von 2,54 mm = 1/10 Zoll angeordnet.[3] Die später hauptsächlich in der Computertechnik verbreiteten Lochstreifen haben eine Breite von 25,4 mm und verfügen über 8 Datenlochpositionen. Das Führungsloch liegt hier wie beim erstgenannten Format zwischen Loch 3 und 4. Bei beiden Formaten werden auf einen Zoll (25,4 mm) Lochstreifen 10 Zeichen (Reihen) gestanzt. Die beiden Lochstreifenformate sind dadurch, wenn man sie übereinanderlegt, in der Breite des schmaleren Streifens deckungsgleich. Dadurch kann ein 5-Kanal-Streifen oft problemlos in einem 8-Kanal-Lesegerät abgetastet werden (zumindest, wenn das Lesegerät die Führungslöcher zur Führung des Streifens benutzt – was bei optischen Lesern i. d. R. nicht der Fall ist). Umgekehrt geht das nicht. Es existieren auch Geräte, die durch Justage der Streifenführung beide Streifenbreiten stanzen können.

Auf einem 8-Kanal-Lochstreifen können 256 verschiedene Zeichen gespeichert werden, auf einem 5-Kanal-Lochstreifen zunächst nur 32. Beim Baudot-Code kann über zwei spezielle Steuerzeichen zwischen zwei Codehälften umgeschaltet werden, so dass insgesamt 59 wirksame Zeichen codiert werden können.

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:
Lochstreifen in Leporellofaltung

Zusätzlich gibt es unterschiedliche Verfahren für längere Lochstreifen: In den meisten Fällen werden sie wie ältere analoge Filme mit sehr ähnlicher Mechanik wie dort auf Spulen aufgewickelt, speziell beim Hersteller DEC war aber auch eine Art Leporellofaltung üblich.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zukleben von überzähligen Löchern war dagegen aufwendiger und war nur mit späteren Ausführungen von Handstanzen möglich, indem ein schwarzer Klebefilm über die ganze Streifenbreite geklebt wurde und anschließend alle weiter benötigten Löcher von Hand nachgelocht werden mussten.
  2. Datenblatt und Abbildung des Lochstreifenlesers RC 2000 (englisch)
  3. ECMA-10-Standard, siehe Kapitel 2 (engl.)

Quelle