Amateurfunkdienst

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Griechische Amateurfunkstation
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US-amerikanische Funkamateurin

Der Amateurfunkdienst (kurz: Amateurfunk, englisch: amateur radio oder ham radio) ist ein Funkdienst, der von Funkamateuren untereinander, zu experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien, zur eigenen Weiterbildung, zur Völkerverständigung und zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen wahrgenommen wird.

Wortbedeutung

Der Amateurfunk ist ein technisches Hobby, welches sich mit der drahtlosen Kommunikation befasst. Personen, die dieses Hobby ausüben, werden als Funkamateure bezeichnet. Die Bezeichnung Amateurfunker ist eher unüblich, um sie nicht mit den Personen zu verwechseln, die nicht ordnungsgemäß ermächtigt sind (Schwarzfunker), denn zur Teilnahme am Amateurfunk ist grundsätzlich eine Zulassung zum Amateurfunkdienst erforderlich. Ein Funkamateur bekommt von der zuständigen Fernmeldebehörde ein eindeutiges Rufzeichen zugewiesen.

Regelungen rund um den Amateurfunkdienst

Als geprüfter Funkamateur erhält man viele Rechte, unterliegt aber bei seinen Versuchen und seinem Funkbetrieb den umfangreichen Regelungen im Amateurfunkdienst. Diese Rechte wurden in vielen Ländern in einem eigenständigen Amateurfunkgesetz festgelegt, welche immer wieder den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Am deutlichsten werden die stetigen Änderungen in der Geschichte der deutschen Amateurfunkverordnung. Beispielsweise ist das Ablegen einer Morse-Prüfung zur Erlaubnis auf Kurzwelle zu senden seit 15. August 2003 in Deutschland nicht mehr erforderlich.[1]

Den internationalen Rahmen gibt die Vollzugsordnung für den Funkdienst (Österreich und Deutschland: VO Funk, Schweiz: Radioreglement) der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) vor. Dort wird der Amateurfunkdienst wie folgt definiert:

1.56 amateur service: A radiocommunication service for the purpose of selftraining, intercommunication and technical investigations carried out by amateurs, that is, by duly authorized persons interested in radio technique solely with a personal aim and without pecuniary interest.
1.57 amateur-satellite service: A radiocommunication service using space stations on earth satellites for the same purposes as those of the amateur service.

Das Hobby Amateurfunk

Französische Station
Datei:Amateurfunkstation.jpg
Amateurfunkstelle in Deutschland

Amateurfunk ist ein sehr vielfältiges Hobby:

  • Fokussierung auf die eigentliche Funkverbindung, das Gespräch mit anderen Funkamateuren auf der ganzen Welt.
  • Technikinteressierte bauen kleinere oder größere Teile ihrer Funkanlage selbst. Bau, Test und Weiterentwicklung der Geräte sind hier der wichtigste Aspekt.
  • Hochleistungssportler nehmen an Wettbewerben der unterschiedlichsten Art teil, etwa Contests oder Peilwettbewerben.

Über spezialisierte Händler ist eine Vielzahl an Amateurfunkgeräten verfügbar. Die dort verwendete Technik ist häufig sehr kompliziert; selbst das Modifizieren dieser Geräte stößt aufgrund modernster Fertigungstechniken (teils im Nanometerbereich) schnell an Grenzen.

Damit sich Funkamateure leichter mit der einschlägigen Technik auseinandersetzen können, bieten verschiedene Firmen und Funkamateure Bausätze an. Dieser Weg erspart die teilweise schwierige Bauteilbeschaffung und erleichtert mit den zugehörigen Unterlagen Aufbau, Erweiterung und Modifikation. Selbstbaugeräte besitzen häufig nur eine geringe Sendeleistung.

Das Funken mit geringer Leistung (bis 5 Watt Senderausgangsleistung) nennt man QRP-Betrieb. (QRP ist ein Betriebszeichen aus der Telegrafie und bedeutet im eigentlichen Sinne Reduzieren Sie Ihre Sendeleistung.)

Die funktionstüchtige Zusammenstellung von Funkgerät, Antenne und messtechnischem Zubehör nennt man Amateurfunkstelle oder in der Amateurfunkwelt auch Rig (engl. Anlage). Die Räumlichkeit, in der diese Geräte aufgestellt bzw. betrieben werden, wird als Shack bezeichnet (engl. Bude, Hütte).

Den Funkamateuren stehen verschiedene Frequenzbereiche, die sogenannten Amateurbänder, zwischen 135 kHz und 250 GHz im Langwellen-, Mittelwellen-, Kurz- und Ultrakurzwellen bis hinauf in den Gigahertz-Bereich zur Verfügung. Auch im optischen Bereich und im Bereich der Terahertzstrahlung sind Funkamateure aktiv und insbesondere in diesem Bereich auch aktiv an der Forschung beteiligt.

Alle Funkamateure haben einen gemeinsamen Verhaltenskodex, den so genannten Ham Spirit, exemplarischer ist der vom amerikanischen Verband ARRL zu Beginn des 20. Jahrhunderts publizierte Text.

Der entsprechende Text muss noch eingefügt werden - fehlt auch im Original bei Wikipedia (Deutsch)!

Wegen der besonders zu Morse-Zeiten eher langsamen Übertragung hat sich eine ausgeprägte Kultur der Abkürzungen entwickelt.[2][3][4] Die Abkürzungen stammen durchweg aus dem englischen Sprachraum und sind weltweit gültig. Beispielsweise steht OM (von old man) für einen männlichen, sowie YL (von young lady) für einen weiblichen Funkamateur.

QSL-Karten

Siehe auch QSL-Karte

Die Funkverbindungen werden mit QSL-Karten bestätigt. Besonders begehrt sind QSL-Karten aus Amateurfunk-Ländern, in denen es sehr wenige oder keine Funkamateure gibt, aber auch von seltenen oder schwer zu arbeitenden Amateurfunk-Stationen wie der Internationalen Raumstation ISS[5] oder von prominenten Funkamateuren wie Juan Carlos von Spanien.[6] Die Jagd nach weit entfernten Amateurfunk-Stationen wird DXen genannt. Die QSL-Karten werden entweder über den eigenen Amateurfunk-Verband an die Amateurfunk-Verbände im jeweiligen Land geschickt – oder direkt an die Adresse geschickt, die man aus dem Callbook erhält.

Mittlerweile gibt es auch Websites wie EQSL.CC für diesen Zweck: Wenn beide Kommunikationspartner zueinander passende Verbindungsdaten eingeben, gilt die Verbindung als bestätigt.

Amateurfunkdiplome

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Amateurfunkdiplome eines polnischen Funkamateurs

Für bestimmte Leistungen, z. B. für Funkkontakte in eine bestimmte Anzahl Gebiete, werden Amateurfunkdiplome ausgestellt. Dafür ist meist vorher das Sammeln von QSL-Karten für die Beantragung erforderlich.

Modulationsarten, Betriebsarten und Übertragungsarten

Es kommen traditionelle Modulationsarten und Betriebsarten wie Telegrafie und Telefonie genauso zum Einsatz, wie Funkfernschreiben und moderne digitale Übertragungsverfahren wie Packet Radio, Pactor, APRS oder PSK31, welche hauptsächlich für die Textübertragung Verwendung finden. Auch Bild- und Videoübertragungen sind mit Betriebsarten wie FAX, SSTV (Slow Scan Television) und ATV (Amateurfunk-Fernsehen) möglich. Auch eine Amateurfunk-Version des neuen digitalen Kurzwellenrundfunks Digital Radio Mondiale (DRM) wurde entwickelt. Seit kurzem gibt es auch digitalen Sprechfunk, wie der in Japan entwickelte digitale Übertragungsstandard D-STAR.

Viele der modernen Betriebsarten lassen sich mit Hilfe von zum Teil kostenloser, von Funkamateuren entwickelter Software betreiben. Dazu verbindet man lediglich das Funkgerät mit der Soundkarte eines handelsüblichen PC.

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Meteorscatter auf 144 MHz

Neben direkten Verbindungen sind auch Kontakte via Relaisstationen, Echolink, Amateurfunksatelliten, (z. B. OSCAR), Erde-Mond-Erde oder auch Meteorscatter möglich. Damit kann man auch auf den UKW-Bändern, mit denen man terrestrisch nur Entfernungen bis 300 km zurücklegen kann, mit fast der ganzen Welt sprechen. Funkamateure haben eigene Satelliten gebaut, die man als Relaisstation nutzen kann. Aber auch nur kurzzeitig vorhandene natürliche Erscheinungen, wie z. B. Aurora (Reflexion der Funkwellen an Polarlichtern) oder die Reflexion von Funkwellen an Flugzeugen, werden zur Überwindung größerer Entfernungen auf UKW genutzt.

Eine Funkverbindung kann mit einer der oben erwähnten Betriebsarten aufgebaut werden:

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SSTV-Standbild, gesendet aus Knić, Serbien, auf Kurzwelle
  • Die ursprünglichste Betriebsart ist Telegrafie (Friedrich Clemens Gerke, Samuel Morse). Die vormals obligatorische Morseprüfung für die Kurzwellenlizenzen ist in fast allen Staaten abgeschafft worden. Man hatte deswegen zunächst die Befürchtung, dass die Aktivität in dieser Betriebsart schnell abnehmen werde. Speziell bei Selbstbauern ist Morsen aber weiterhin sehr beliebt, weil man mit sehr einfachen Geräten (der Sender muss nur den Träger ein- und ausschalten können) und sehr geringen Empfängerbandbreiten (200 Hz gegenüber mindestens 2100 Hz bei Sprechfunk) arbeiten kann. Die nötige Übung vorausgesetzt, kann man weit über 200 Buchstaben pro Minute mit dem Gehör aufnehmen – das schnelle Geben ist mit einer elektronischen Morsetaste nicht das entscheidende Problem. Manche jüngere Funkamateure betrachten Morsen als eine digitale Betriebsart unter vielen, d. h. sie erzeugen Morsesignale mit dem Rechner und decodieren sie auch maschinell. Das betrachten die meisten „alten Hasen“, die noch eine Morseprüfung ablegen mussten, als grob unsportliches Verhalten. Es zeichnet sich ab, dass diese sehr ursprüngliche Form der Nachrichtenübermittlung auch weiterhin einen festen Platz im Amateurfunk haben wird.[7][8][9]
  • Telefonie (Sprechfunk) mit verschiedenen Übertragungsverfahren ist die üblichste Kommunikationsart.
  • Diverse Bildübertragungsverfahren von Faksimile bis Amateurfunk-Fernsehen sind üblich.
  • In den letzten Jahrzehnten gewinnen digitale Amateurfunk-Betriebsarten immer größere Bedeutung. Ständig werden von Funkamateuren neue digitale Übertragungsverfahren erdacht, die dann weltweit mit anderen Funkamateuren ausprobiert werden.

Unmittelbar neben den in der WLAN-Technik genutzten ISM-Bändern bei 2,4 und 5,8 GHz gibt es Amateurfunk-Zuweisungen. Das macht es möglich, mit sehr preiswerter, nur geringfügig modifizierter WLAN-Ausrüstung breitbandige Richtfunkstrecken zu betreiben. Häufig werden dabei neben handelsüblichen WLAN-Komponenten lediglich Richtantennen mit hohem Gewinn benutzt. Unter der Bezeichnung HamNet entsteht seit einiger Zeit eine breitbandige Richtfunk-Infrastruktur, die vor allem in Österreich schon recht weit ausgebaut ist.

Frequenzen

Die einzelnen Bereiche des elektromagnetischen Spektrums, die der Amateurfunkdienst nutzen darf, nennt man auch Amateurfunkbänder.

Die einzelnen Bänder werden bestimmten Funkdiensten auf exklusiver, primärer oder sekundärer Basis zugewiesen. So ist das 2-m-Band (in Europa 144-146 MHz) dem Amateurfunkdienst exklusiv zugewiesen. Dort dürfen also nur Funkamateure senden. Das 23-cm-Band (1240-1300 MHz) ist dem Amateurfunk auf sekundärer Basis zugewiesen. Funkamateure haben ihren Sendebetrieb dort so einzurichten, dass die primären Funkdienste nicht gestört werden.

Grundsätzlich werden Frequenzbänder international zugewiesen. Dies ist Aufgabe der ITU, das Entscheidungsgremium dafür ist die Weltfunkkonferenz. Meist werden Frequenzbänder für Zonen koordiniert unter der Überlegung, dass sich Funkwellen nicht von politischen Grenzen aufhalten lassen. Es gibt drei Zonen: Europa und Afrika, Asien und Amerika. Insbesondere auf den höheren Frequenzen mit recht begrenzter Reichweite gibt es national abweichende Regelungen. So ist in Skandinavien das 70-cm-Amateurfunkband nur 6 MHz breit (432–438 MHz), während es im restlichen Europa 10 MHz breit ist (430–440 MHz). Für Deutschland legt die Bundesregierung die Frequenzzuweisung in der Frequenzverordnung fest (§ 53 TKG Abs. 1).[10] Häufig werden Funkbänder auch meistbietend versteigert, z. B. für Mobilfunk (Handynetze).

Innerhalb der einzelnen Amateurfunkbänder stellen die Amateurfunkverbände Bandpläne auf.[11] Auf Kurzwelle wird traditionell der unterste Bandabschnitt exklusiv dem Morsen zugeteilt, am oberen Ende wird auch Sprechfunk betrieben. In den letzten Jahren geht man langsam von einer Sortierung nach einzelnen Betriebsarten über zu einer Sortierung nach benutzten Bandbreiten. Die Überlegung dahinter ist, dass Modulationsarten mit geringen Bandbreiten auch geringere Sendeleistungen erfordern und sich schwächere Sender gegenseitig weniger stören, als das sehr starke Sender gegenüber schwachen Sendern tun. Zudem gibt es durch die Digitalisierung eine Vielzahl von Betriebsarten, für die keine exklusiven Bandabschnitte mehr zur Verfügung gestellt werden können.

Jugendarbeit

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Indische Amateurfunkstation

Innerhalb des Amateurfunks sind diverse Projekte für junge Funkamateure entstanden. Nachfolgend sind einige internationale Veranstaltungen aufgeführt:

  • Kids' Day am ersten Sonntag im Januar und dritten Samstag im Juni (eine Idee der American Radio League ARRL)[12]
  • Europatag der Schulstationen jeweils am 5. Mai, initiiert vom deutschen Arbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule e. V., findet seit Mai 2001 statt. (vgl. Europatag)
  • Young Helpers on the Air – YHOTA jeweils am zweiten Maiwochenende und am letzten Samstag im September, ein internationales Treffen der Jugendgruppen der Hilfsorganisationen und Schulsanitätsdiensten auf den Amateurfunkbändern, seit Mai 2006[13]
  • Summits on the Air – SOTA Jugendpokal
  • Jamboree on the Air – JOTA World Scout, am dritten vollständigen Oktoberwochenende, ein weltweites Treffen von Pfadfindern mit Hilfe von Amateurfunk-Stationen, es findet seit 1958 statt.
  • Thinking Day on the Air – TDOTA WAGGGS (World Association of Girl Guides and Girl Scouts), am Wochenende vor dem 22.02. findet jährlich der TDOTA statt, Pfadfinderinnen (Girl Guides und Girl Scouts) nehmen über den Amateurfunk Kontakt miteinander auf. In Kanada heißt diese Veranstaltung GOTA (Guides on the Air).

Dazu kommen noch viele weitere regionale und lokale Veranstaltungen, wie etwa Jugendfielddays, Ferienspaßaktionen, Bastelaktionen und Jugendgruppen. An Schulen und Hochschulen gibt es oftmals Klubstationen (Schulstationen) sowie Projekte für Funkkontakte mit der Internationalen Raumstation ISS (Amateur Radio on the International Space Station – ARISS).

Die Interessen von jugendlichen Funkamateuren sieht ein Magazin (Stand November 2006) so: Eine niederländische Befragung unter Jugendlichen darüber, was ihnen denn am Amateurfunk besonders läge, brachte als Ergebnis folgende Reihung der Interessen: Conteste, Diplome, QRP (!), Funkgerät und PC, Amateurfunk in Gruppen, Notfunk, Naturerscheinungen, Funk und Astronomie. Keine Technik …[14] QRP bezieht sich dabei allerdings auf den Selbstbau von einfachen Funkgeräten kleiner Leistung und repräsentiert den Großteil des heutigen Selbstbaus.

Wege zum Amateurfunk

Der Empfang von Aussendungen des Amateurfunkdienstes ist in Deutschland jedermann gestattet. Die Frequenzbänder im Kurzwellenbereich können einfacher Weise mit einem Taschen-Weltempfänger empfangen werden. Die aktive Teilnahme am Amateurfunkdienst, d. h. der Betrieb eines Senders, ist an ein qualifizierendes Zeugnis und eine Rufzeichenzuteilung gebunden (Ausnahme: Betrieb unter Aufsicht mit Ausbildungsrufzeichen). Das Amateurfunkzeugnis erwirbt man durch eine Prüfung bei der nationalen Fernmeldeverwaltung, in Deutschland der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen.

Damit unterscheidet sich der Amateurfunkdienst von diversen Funkanwendungen für Jedermann, die ohne Prüfung genutzt werden dürfen (CB-Funk, PMR-Funk, SRD-Funk).

Kurse zur Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung bieten verschiedene Vereine und Organisationen an. Die meisten Kurse werden von den Amateurfunk-Verbänden angeboten, organisiert oder gefördert:

Häufig finden die Kurse an Schulen, Volkshochschulen oder an Universitäten statt. Besonders hervorzuheben ist die Bücherreihe von E. Moltrecht, die eine Vorbereitung auf die Prüfung auch mit wenig Vorwissen ermöglicht[15]. Die Nutzung eines Ausbildungsrufzeichens bietet dabei die Möglichkeit, schon vor der Amateurfunkprüfung unter Aufsicht eines Funkamateurs Funkbetrieb zu beobachten und so das erworbene Wissen auszuprobieren und zu festigen.

Die Geschichte des Amateurfunkdienstes


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Amateur-Funkanlage (ca. 1916)

Die Geschichte des Amateurfunks beschreibt die Entstehung des Amateurfunks und seine Weiterentwicklung bis in die Gegenwart. Dabei ist sie von Beginn an mit der allgemeinen Funktechnik und deren Geschichte aufs Engste verwoben. Auch personell, da viele spätere Forscher und Entwickler als Funkamateure, oft bereits in jugendlichem Alter, begannen und der Amateurfunk sie durch das ganze Leben begleitete.

Die Anfänge

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Amateurfunk-Station (1921)
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US-amerikanische Funkamateure übermittelten auch kostenlose Telegramme
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Handbuch der American Radio Relay League (1926)

Bereits 1873 wurde von James Clerk Maxwell auf Basis der Arbeiten von Michael Faraday die Existenz elektromagnetischer Wellen theoretisch vorhergesagt. Am 11. November 1886 gelang es Heinrich Hertz im Experiment die Übertragung elektromagnetischer Wellen von einem Sender zu einem Empfänger.[16] Die Berliner Akademie der Wissenschaften unterrichtete er am 13. Dezember 1888 in seinem Forschungsbericht „Über Strahlen elektrischer Kraft“ über die elektromagnetischen Wellen.[17] Édouard Branly entwickelte um 1890 den Fritter. Im Januar 1896 veröffentlichte Alexander Stepanowitsch Popow einen Artikel über ein „Gerät zur Aufspürung und Registrierung elektrischer Schwingungen“ mit dem er am 24. März 1896 anschaulich die drahtlose Übertragung von Signalen auf eine Entfernung von 250 Meter demonstrierte. Guglielmo Marconi baute das Gerät nach und ließ es im Juni 1896 patentieren. Damit beginnt die Geschichte der Drahtlosen Telegrafie. Da bei den frühen Sendern stets ein Funke beobachtet werden konnte, bildete sich im Deutschen die Begriffe des Funkers und Funkens.

Bereits um 1898 befassten sich weltweit naturwissenschaftlich Interessierte mit dieser neuen Technik. Da deren Aktivitäten nicht unbedingt mit ihren beruflichen Tätigkeiten in Verbindung standen, sieht man in diesen Akteuren die ersten Vorläufer des Amateurfunks.

Erst mit der Erfindung der Röhre als Verstärker entstand 1923 die drahtlose Funktechnik mit einer sich rasend schnell entwickelnden Unterhaltungselektronik (Rundfunk und Fernsehen).

Die ersten kommerziellen Stationen benutzten damals Frequenzen unterhalb von 1,5 MHz (man würde heute Mittelwelle dazu sagen); hier konnte ein einzelner Sender weite Entfernungen überbrücken, benötigte dabei aber eine Sendeleistung in der Größenordnung einiger hundert Kilowatt. Auf höheren Frequenzen konnten selbst mit solch hohen Leistungen nur Entfernungen bis zu einigen hundert Kilometern überbrückt werden; daher wurden alle höheren Frequenzen (Kurzwelle) bis dahin nicht genutzt. Am 28. November 1923 wurde die erste zweiseitige Funkverbindung auf kurzen Wellen zwischen einer amerikanischen und einer französischen Amateurfunkstation (betrieben von Léon Deloy) hergestellt und zwar auf einer Wellenlänge von etwa 110 Meter, das sind etwa 2,7 MHz.

Es stellte sich bald heraus, dass man auf den kurzen Wellen mit einem Bruchteil der Energie auskam, welche die kommerziellen Großstationen auf den langen Wellen verbrauchten. Bislang wurde nur die Ausbreitung der Bodenwelle untersucht, erst später entdeckten Wissenschaftler, dass Kurzwellen von der Ionosphäre reflektiert werden. Plötzlich war die Möglichkeit erkannt, europaweite und sogar weltweite Funkverbindungen mit Sendeleistungen im Watt-Bereich aufzubauen.

Im Laufe der Jahre siedelten sich viele kommerzielle Stationen auf den kurzen Wellen an. Wegen der kompakteren, einfacheren Antennenanlagen und des wesentlich geringeren Leistungsbedarfes waren die nötigen Investitionen wesentlich geringer.

Da sich jede neue Kurzwellenstation einfach eine ihr unbelegt erscheinende Frequenz suchte und auf Sendung ging, musste etwas unternommen werden, um ein Frequenz-Chaos zu vermeiden. Interessierte aus aller Welt traten deshalb im Jahre 1927 zu einer Weltfunkkonferenz zusammen und verteilten die kurzen Wellen (das sind die Wellen von 100 Meter bis etwa 10 Meter) unter den staatlichen und kommerziellen Funkstellen und überließen dem Amateurfunkdienst mehrere Frequenzbereiche in der Nähe von 160, 80, 40, 20, 15 und 10 Metern Wellenlänge. Die Funkamateure hatten sich schon vor dieser entscheidenden Konferenz international organisiert und 1925 in der International Amateur Radio Union (IARU) zusammengeschlossen, um ihre Interessen vertreten zu können. Das Ergebnis dieser Konferenz wurde 1927 im Washingtoner Weltfunkvertrag niedergeschrieben. Heute ist es die Vollzugsordnung für den Funkdienst, die als Nachfolgerin des Abkommens von 1927 die Funknutzungen regelt und noch immer die Amateurfunk-Frequenzbänder, auch Amateurbänder genannt, enthält.

Der Amateurfunkdienst war somit amtlich anerkannt und als gleichberechtigter Funkdienst festgeschrieben.

Erste europäische Amateurfunkaktivitäten gab es in Großbritannien aufgrund des Wireless Telegraphy Act von 1904. Die ersten Lizenzinhaber waren Fachleute wie Guglielmo Marconi oder John Ambrose Fleming. Sie mussten starke Einschränkungen bei der Sendeleistung, der Reichweite (maximal zehn Meilen), den Frequenzen und den Betriebszeiten hinnehmen.

Der Amateurfunk in Deutschland

In Deutschland erhielten anerkannte Funkvereine ab November 1924 Versuchsender-Genehmigungen. Da die Clublizenzen nur von wenigen Funkamateuren genutzt werden konnten und Individuallizenzen im Allgemeinen nicht vergeben wurden, kam es in der Folgezeit zu verstärktem illegalen Betrieb („Schwarzfunker“, „Piraten“). Ein weiterer Grund dafür waren die fehlenden Lizenzen für Telefonie (AM), die bisher ausgegebenen waren nur für Telegrafie gültig. Ab August 1933 wurden von der Deutschen Reichspost Sendegenehmigungen für Funkfreunde ausgegeben, wodurch die Zahl der Amateurfunkstellen bis 1939 auf etwa 600 anstieg. Bedingung für den Erhalt einer Genehmigung war u. a. die Mitgliedschaft im Deutschen Amateur-Sende- und Empfangsdienst (DASD).

Ab Kriegsbeginn 1939 wurden Kriegsfunksendegenehmigungen ausgegeben, deren Anzahl zu Kriegsende 1945 etwa 100 erreichte.

Am 23. März 1949 wurden auf Grundlage des Amateurfunkgesetzes die ersten 700 Amateur-Sende- und Empfangsgenehmigungen erteilt, inzwischen sind es etwa 80.000 in Deutschland.

In der DDR konnte eine Funklizenz von Mitgliedern der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) erworben werden.

Nach der Wiedervereinigung gab es für die neuen Bundesländer Übergangsregelungen, die beispielsweise auf dem 30-Meter-Band höhere Sendeleistungen erlaubten, als in den alten Bundesländern zugelassen waren.

Entwicklungen ab 1945

Datei:10GHz Transverter.jpg
Kalifornischer Funkamateur mit Sendeempfänger auf 10 GHz
Datei:Hilberling P1010547.jpg
Kommerzieller Amateurfunk-Sendeempfänger aus Deutschland

Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Amateurfunkbetrieb wieder erlaubt wurde, erzielten Funkamateure unter anderem folgende technische Erfolge:

  • 1946 erste Amateurfunk-Verbindung auf 10 GHz (3-Zentimeter-Band) und auf 21 GHz, durch amerikanische Funkamateure[18]
  • 1953 erste Erde-Mond-Erde-Echos im Amateurfunk
  • 1960 erste Erde-Mond-Erde-Verbindung (zweiseitig)
  • 1961 erster Amateurfunksatellit in einer Erdumlaufbahn (OSCAR 1 mit einer Telemetriebake, erster aktiver Kommunikationssatellit war Courier 1B 1960 und erster ziviler aktiver Kommunikationssatellit Telstar 1 1962)
  • 1965 erster aktiver Amateurfunksatellit OSCAR 3 (mit Lineartransponder)
  • 1975 erster Intersatelliten-Link überhaupt (OSCAR 7)
  • 1975 erste Amateurfunk-Verbindung auf 24 GHz (1,2-Zentimeter-Band), durch englische Funkamateure
  • 1983 erste Amateurfunk-Verbindung mit dem Space Shuttle[19]
  • 1984 erste Amateurfunk-Verbindung auf 47 GHz, durch Schweizer Funkamateure
  • 1985 erste Amateurfunk-Verbindung auf 76 GHz, durch Schweizer Funkamateure
  • 1992 erste Amateurfunk-Verbindung auf 145 GHz, durch deutsche Funkamateure
  • 1993 erste Amateurfunk-Verbindung auf 241 GHz (1,2-Millimeter-Band), durch deutsche Funkamateure
  • 2006 Empfang von Signalen der Sonde Voyager 1 aus 14,7 Mrd. km Entfernung auf 8415 MHz mit dem 20-m-Spiegel der Sternwarte Bochum durch AMSAT Deutschland
  • 2009 erste Erde-Venus-Erde-Echos im Amateurfunk

Pionierzeit

Die Pioniere der Funktechnik wie Heinrich Hertz oder Guglielmo Marconi schufen in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Grundlagen der heutigen Funktechnik. In der Pionierzeit gab es nur wenige Regulierungen. Das führte in vielen Ländern zu einem Chaos auf den Frequenzen. 1906 wurde in Berlin die Convention Radiotélégraphique Internationale beschlossen[20], die z.B. größere Schiffe zum Betrieb einer Funkstation verpflichtete. Diese Konvention ratifizierten die USA erst wenige Monate vor der Titanic-Katastrophe.

Als die RMS Titanic 1912 sank, hätte eine bessere Kommunikation die Zahl der Opfer deutlich senken können. Das führte in den USA zum Radio Act of 1912, der u. a. „private Funkstationen“ auf Wellenlängen unterhalb von 200 m (über 1,5 MHz) verwies, ihre Sendeleistung auf 1 kW Input begrenzte und offizielle Rufzeichen einführte [21]. Diese Kurzwellen-Frequenzen hielt man damals für wertlos, da man irrtümlich nur eine geringe Reichweite vermutete[22]. Der 2. Weltfunkvertrag von 1912 spricht erstmalig von „privaten Funkstationen“, ohne den Begriff näher zu definieren. Offiziell taucht der Begriff „Funkamateur“ bei der Washingtoner Welt-Wellenkonferenz 1927 auf.[23]

Die Geschichte des Amateurfunkdienstes verlief in der Anfangszeit in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich. Viele Länder, wie die USA, Großbritannien und Frankreich standen dem Thema sehr liberal gegenüber und förderten die Entwicklung. Andere Länder, wie beispielsweise Deutschland, sahen den Amateurfunk misstrauisch und waren eher bestrebt, die staatliche Fernmeldehoheit und das Postmonopol zu schützen.

In den USA gab es ab 1905 für $8,50 den „Telimco-Telegraphen“[24] frei zu kaufen, mit dem man etwa eine Meile überbrücken konnte. Bedingt durch den 1. Weltkrieg war der private Funkbetrieb auch in den USA von 1914 bis 1919 verboten.[25]

Deutschland bis 1945

Bis 1924 galt allein das „Gesetz über das Telegrafenwesen des Deutschen Reiches“ vom 6. April 1892, das dem Staat das absolute Fernmeldemonopol sicherte. Am 24. Mai 1924 veröffentlichte das Reichspostministerium eine Verfügung, die das Rundfunkwesen neu regelte. Ab da konnten Privatpersonen die „Audionversuchserlaubnis“ erwerben, die den Besitz und den Betrieb eines einfachen Empfängers erlaubte. Das war eine reine Empfangserlaubnis. Bis dahin war selbst der Besitz eines Empfängers verboten. In Deutschland wurden einige wenige Clubstationen lizenziert, während es in Großbritannien zur gleichen Zeit schon 1200 offiziell lizenzierte Funkamateure gab. Ende Mai 1933 wurden 180 alte „Schwarzfunker“ offiziell lizenziert – wohl aus Propagandagründen. Mit Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurden alle 529 erteilten Lizenzen eingezogen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde eine niedrige dreistellige Zahl von Kriegsfunksendegenehmigungen (KFSG) ausgegeben. Während des Krieges erkannte man auch den Wert der Kenntnisse, die sich Funkamateure erworben hatten, und versuchte, sie in der Industrie oder Funkdienststellen nutzbar zu machen.

Bundesrepublik Deutschland nach 1945

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches galt zunächst, für jede der vier Zonen getrennt, alliiertes Militärrecht. Unkontrollierte Kommunikation ist in solchen Fällen immer suspekt. Zonen-übergreifende Organisationen waren nicht möglich, Kommunikation und Reisen nur schwer möglich. Die französische Verwaltung war bedeutend restriktiver als die britische und vor allem die amerikanische. Die sowjetische Zone war fast völlig isoliert. Die erste Kurzwellentagung nach dem Krieg fand am 7. und 8. Juni 1947 in Stuttgart statt und hatte rund 500 Teilnehmer. In der amerikanischen und britischen Zone war manches Gentlemen's Agreement möglich. So konnte schon 1947 die QSL-Karten-Vermittlung "Box 585, Stuttgart" eröffnet werden.

Ihre Bewährungsprobe mussten Organisation und Disziplin der deutschen Funkamateure in der Zeit von 23.-30. April 1948 bestehen: Die deutschen Funkamateure verpflichteten sich gegenüber der Militärregierung zu absoluter Funkstille, die auch fast vollständig eingehalten wurde. Anschließend überschlugen sich die Ereignisse: Am 8.-9. Mai 1948 fand in Bad Lauterberg eine Kurzwellentagung statt, bei der sich die Amateurfunkverbände der Westzonen vereinigten. Kurz darauf kündigte die Deutsche Post an, dass ab Mai 1948 Amateurfunk-Lizenzprüfungen stattfinden sollten. Das Amateurfunkgesetz ließ dann aber doch noch bis zum 19. Januar 1949 auf sich warten. Damit konnten im Vereinigten Wirtschaftsgebiet offiziell Amateurfunklizenzen ausgegeben werden. Das erste Amateurfunkgesetz ist also älter als das Grundgesetz.

Das Saarland war nach dem Krieg von Frankreich annektiert worden, galt also nicht mehr als Teil Deutschlands. Hier trat das erste Amateurfunkgesetz erst am 4. April 1951 in Kraft. Am 1. Januar 1954 waren in der Bundesrepublik Deutschland 3389 Funkamateure lizenziert[26].

DDR

Die erste offizielle Erwähnung des Amateurfunks gab es 1950 im Rahmen der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Dort gab es "Interessengemeinschaften für Sondersportarten", aus denen die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) hervorging. Ein Schreiben des Initiativkomitees zur Gründung der GST erwähnt die Forderung Jugendlicher nach Ausübung des Amateurfunks. Die GST gab dann die Zeitschrift "Sport und Technik" heraus, die regelmäßig nachrichtentechnische Beiträge enthielt. Daraus entstand die Zeitschrift Funkamateur, die nach der Wende privatisiert wurde und bis heute existiert.

Am 6. Februar 1953 wurde die "Verordnung über den Amateurfunk" verkündet. Die ersten Lizenzen wurden am 14. Juli 1953 ausgegeben. Eine Amateurfunklizenz war in der DDR immer an die Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Sport und Technik gebunden.[27]

Österreich

Am 23. April 1954 wurde die erste Lizenzurkunde ausgegeben an den Präsidenten des OeVSV, Erwin Heitler, OE1ER.[28]

Die Amateurfunk-Aktivitäten in Österreich sind aber bedeutend älter: Die "OEM", das Mitteilungsblatt des OeVSV erschien 1933–1938 (also wohl bis zum Anschluss an das Deutsche Reich) und dann wieder ab 1945.[29]

Schweiz

Wie damals üblich begann der Amateurfunk auch in der Schweiz um den Ersten Weltkrieg als "Schwarzfunk". Juristisch konnte man ab dem 1. Juli 1925 an der Obertelegraphen-Direktion die Prüfung für eine Sendekonzession ablegen. Die erste Lizenz wurde im April 1926 ausgegeben. Die ersten offiziellen Rufzeichen hatten den Präfix H9, der noch vor 1930 durch HB9 ersetzt wurde.[30]

Leistungen des Amateurfunkdienstes

Der Amateurfunk hat vielen technisch interessierten Menschen den Zugang zu Elektronik und Nachrichtentechnik geebnet. Damit leistete der Amateurfunk einen erheblichen Beitrag zur Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses. Entsprechend förderten Institutionen wie die Deutsche Bundespost, Deutsche Telekom, Technisches Hilfswerk oder die Bundeswehr den Amateurfunk. In der DDR gehörte der Amateurfunk zur paramilitärischen Ausbildung; der Zugang zum Amateurfunk war nur über die Gesellschaft für Sport und Technik möglich.

Eine wichtige Aufgabe des Amateurfunks ist die Völkerverständigung. Verbindungen zwischen Funkamateuren aus West und Ost waren auch zu Zeiten des Kalten Krieges möglich, wobei die Nachrichteninhalte system- und vorschriftsbedingt stark eingeschränkt waren. Heute bieten Internet und niedrige Telefon- oder Flugkosten hierzu Alternativen, nicht jedoch in Schwellenländer mit niedriger Internetabdeckung. Der Reiz des Amateurfunks liegt ebenfalls darin, den Standort der Gegenstelle zu kennen und dadurch Rückschlüsse auf die Verbindung zu ziehen.

Amateurfunk im Not- und Katastrophenfall

Siehe auch|Notfunk#Beispiele für Notfunkaktionen der Funkamateure|titel1=Abschnitt „Beispiele für Notfunkaktionen der Funkamateure“ im Artikel „Notfunk“


Auch dieser Abschnitt muss überarbeitet werden - ggf. ist der Artikel Notfunk in Teilen hier mit einzubinden


Der Amateurfunk hat sich große Verdienste bei der Katastrophenhilfe erworben. Besonders in Ländern mit großen Entfernungen und teilweise recht fragiler Infrastruktur, wie z. B. den USA oder in den Alpen, führen Naturkatastrophen und Großschadensereignisse immer wieder zum vollständigen Ausfall der normalen Kommunikations-Infrastruktur. Beispiele in Mitteleuropa sind Einsätze wie anlässlich der Hamburger Sturmflut von 1962 oder der Lawinenkatastrophe von Galtür; Amateurfunk bietet häufig eine schnelle Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen.[31] Bei der nach der Flutkatastrophe von 1953 modellierten multinationalen Übung FloodEx waren 2009 Notfunker vor allem aus den Niederlanden und Großbritannien fest eingebunden, weil die Lage den weitgehenden Ausfall des zellularen TETRA vorsah; das Technisches Hilfswerk hatte allerdings angemeldeten deutschen Notfunkern abgesagt. In Frankreich wird das Abhören von Notruffrequenzen und die Unterstützung bei der Suche nach abgestürzten Flugzeugen mit Peilgeräten vom Amt für Zivilschutz besonders gefördert. Amateurfunk ist ebenfalls ein wichtiges Standbein der Kommunikation von im Ausland eingesetzten Helfern mit dem Heimatland.[32] Satellitentelefone haben sich durch die begrenzten Bandbreiten, die vor allem von der Presse und privaten Firmen mit Priorität angekauft werden, als nur bedingt tauglich erwiesen. Weiteres hierzu unter Notfunk.

Indische Amateurfunkstation VU4RBI einige Tage vor der Tsunami-Katastrophe 2004, in der sie durch ihre Notfunk-Aktivitäten bekannt wurde

In dünn besiedelten Regionen der Erde mit mangelhafter Telekommunikations-Infrastruktur kann der Amateurfunk in Not- oder Katastrophenfällen ein erstes Mittel zur Nachrichtenübermittlung darstellen. Die Freiräume des Amateurfunkdienstes ermöglichen auch unkonventionelle Lösungen wie ein 2-m- bzw. 80-m-Relais in Namibia:[33] Rund um Windhoek kann man es wie ein ganz normales UKW-Relais nutzen, während Funkamateure im restlichen Land den 80-m-Zugang nutzen können. Über den Echolink-Anschluss ist der Rest der Welt problemlos zu erreichen.

Manch ein Leben ist durch die Übermittlung eines Notrufes durch Funkamateure gerettet worden, und so mancher Angehörige eines Katastrophenopfers konnte auf diesem Wege etwas über den Verbleib eines Verwandten erfahren (welfare traffic).

In den dicht besiedelten Regionen der Erde, also etwa den Industrieländern der nördlichen Halbkugel, existiert heute eine Vielzahl öffentlicher und behördlicher Kommunikationsmittel. Katastrophen von der Hamburger Sturmflut 1962 bis zu den Erdbeben- und Tsunami-Katastrophen im Indischen Ozean Dezember 2004 und in Japan im Jahr 2011 haben gezeigt, dass diese hochtechnologischen öffentlichen Kommunikationsnetze anfällig gegenüber Störungen sind.

Selbst wenn die Hilfsdienste mit ihren eigenen Funksystemen vor Ort sind, kann der Amateurfunk eine wichtige Rolle übernehmen: Viele der benutzten Funksysteme sind nicht interoperabel, d. h., der Hilfsdienst A kann keinen Funkkontakt mit Hilfsdienst B aufnehmen. Funkamateure können diese Grenze häufig entweder mit ihrer eigenen Technik oder mit den beim Hobby erworbenen Kenntnissen überbrücken.

Gegenwärtiges Angebot in Deutschland

Seit etwa 1990 wird der Amateurfunk in der Gesellschaft weniger deutlich wahrgenommen, was sich deutlich am geringen Nachwuchs bemerkbar macht. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • Junge Menschen haben heute viele Alternativen, wenn sie sich für ein technisches Hobby interessieren – etwa Computer und Internet. Zudem wird die Einstiegsschwelle (Amateurfunkzeugnisprüfung, Antennenmöglichkeiten) als hoch empfunden.
  • Drahtlose Kommunikation ist für Anwender einfacher und allgegenwärtig geworden. Die dahinterstehenden digitalen Systeme sind allerdings komplexer und ermöglichen dem Benutzer kaum eine Beschäftigung mit der zugrundeliegenden (Hardware-)Technik.
  • Klassische, einfache (niederschwellige) und kostengünstige Einsteigerquellen wie SWL bis Mitte der 1970er oder CB-Funk bis Ende der 1990er sind dadurch versiegt, ohne dass sich bisher ein Ersatz herauskristallisiert.
  • Die starke Verbreitung mangelhafter und billiger elektronischer Geräte führt zu immer mehr Problemen mit deren Nichteinhaltung der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). So treten im Amateurfunk Störungen durch z. B. das Kabelfernsehen oder durch Störabstrahlungen aus elektronischen Geräten durch mangelhaft ausgeführte Installationen auf. Insbesondere Powerline Communication (PLC) ist ein sehr großes Problem, bei dem Amateurfunk-Verbände auch Musterklagen anstrengen.
  • Der Eigenbau von Amateurfunkgeräten ist seit etwa 1970 zurückgegangen und wurde vielfach durch das Kaufen von fertigen Geräten oder das Kombinieren von fertigen Baugruppen und Komponenten ersetzt. Dies wurde dadurch erleichtert, dass diese Komponenten nur noch einen Bruchteil ihrer früheren Preise kosteten. Moderne Konzepte wie Software Defined Radio fördern den Selbstbau einfacher Konstruktionen bei ausgezeichneter Performance.

Auch heute sind aus dem Bereich des Amateurfunks Veröffentlichungen in wissenschaftlicher Qualität zu beobachten.[34][35] In Amateurfunksatelliten werden innovative Techniken erforscht. An vielen Universitäten gibt es Vereinigungen von Funkamateuren, deren Mitglieder, meist Studenten und Mitarbeiter technischer Fachrichtungen, in selbstorganisierter Teamarbeit teils sehr anspruchsvolle und aufwändige Projekte realisieren. Ein solches Projekt ist Digitales Amateurfunkfernsehen der Uni Wuppertal.[36]

Künftiges Angebot

Der Amateurfunk bietet auch künftig die Möglichkeit, die Grundlagen der Elektronik und der Funktechnik näher kennenzulernen. Gerade in der Hochfrequenztechnik kann dadurch eine für die praktische Arbeit notwendige Intuition erworben werden, die in den hoch verdichteten Studiengängen an den Universitäten und Fachhochschulen nicht vermittelt wird.

Durch die allgemeine Verfügbarkeit von Computern und Elektronik sowie des Internets und der drahtlosen Vernetzung hat die Amateurfunktechnik einen Teil ihres besonderen Reizes verloren. Die allgemeine Verfügbarkeit von Kommunikationstechnik und von Mobilfunktechnik bedient einen großen Teil der Bedürfnisse technisch Interessierter ohne weitere Erlaubnisse.

Ein gegenläufiger Trend zeigt das steigende Interesse an QRP, dem Senden mit sehr kleiner Leistung. Seit etwa 2003 steht zunehmend das Thema Software Defined Radio im Fokus der Funkamateure, was mit einer deutlichen Wiederbelebung des Selbstbaus von Funkgeräten und deren Eigen- bzw. Weiterentwicklung einhergeht.

Noch nicht so recht abzuschätzen ist der Einfluss der Digitalisierung auf den Amateurfunk. Einerseits gibt es immer mehr digitale Übertragungsverfahren von PSK31 bis HamNet. Andererseits wird die Digitaltechnik immer billiger und leistungsfähiger, so dass die benutzten Geräte immer weniger Funktionen in herkömmlicher Analogtechnik verwirklichen. Dies zeigt sich ganz deutlich beim Software Defined Radio. Die Eigenbauaktivitäten von Funkamateuren werden also deutlich weggehen vom Lötkolben und hin zum Einsatz von Computern.

Siehe auch

Literatur (Auswahl)

  • Ernst Fendler (DL1JK), Günther Noack (DL7AY): Amateurfunk im Wandel der Zeit. DARC Verlag Baunatal, 1986, ISBN 3-88692-008-9
  • Otto A. Wiesner: CW-Handbuch für Funkamateure – Grundlagen, Technik, Praxis. 2. Auflage, Verlag für Technik und Handwerk, Baden-Baden, 1999, ISBN 3-88180-326-2
  • Antonio B. Barreto, Alda S. Niemeyer: Ein Tal ruft um Hilfe. Debras Verlag, 2004, ISBN 3-937150-00-5
  • Stan Gülich, SM7WT: Thanks to Amateur Radio. Debras Verlag
  • Thor Heyerdahl, LI2B: Kon-Tiki. Ein Floß treibt über den Pazifik. Ullstein-Verlag, 2000, ISBN 3-548-36261-3
  • Wolfram Felix Körner, DL1CU: Geschichte des Amateurfunks. Seine Anfänge – Seine Entwicklung in Deutschland. Gerlingen, 1963

Dokumentationen (Film)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Information von DK5KE
  2. [http://www.amateurfunk-wiki.de/index.php/Sonstige_Abk%C3%BCrzungen (Sonstige) Abkürzungen im Amateurfunk
  3. Telegrafie-Abkürzungen im Amateurfunkdienst
  4. Hans Schwarz: Jahrbuch für den Funkamateur 2009, Band=24, DARC Verlag GmbH Baunatal, ISBN=3886920577
  5. Amateurfunk auf der Internationalen Raumstation (ISS)
  6. Prominente Funkamateure
  7. Radio Telegraphy High Speed Club
  8. DA sending closing message on Night of Nights 10
  9. [http://www.agcw.org/?Contests_und_CW-Betrieb:Aktivit%E4tswoche = Aktivitätswoche (AGCW-DL Arbeitsgemeinschaft Telegrafie e.V.)
  10. Frequenzverordnung (FreqV)
  11. Deutscher Amateur Radio Club: Funkpraxis
  12. Informationen zum Kids' Day
  13. Informationen zu Young Helpers on the Air
  14. Editorial des Magazins „Funkamateur“, Heft 10/2006
  15. http://www.dj4uf.de/
  16. Albrecht Fölsing: Heinrich Hertz. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1997. ISBN 3-455-11212-9, S. 275.
  17. Deutschlandradio: Entdecker der Wellen
  18. First activity on 10,000 and 21,000 Mc. In: QST, Juli 1946, Seite 140.
  19. Bernie Glassmeyer, Peter R. O´Dell, Roy Neal: Space Shuttle Columbia calling all radio amateurs. In: QST, August 1983, 50–51.
  20. International Wireless Telegraph Convention 1906
  21. Keane, S. K. (K1SFA): 100 Years of Amateur Radio Licensing. In: QST [Zeitschrift der ARRL], Heft August 2012, S. 68ff
  22. History of amateur radio - Wikipedia, the free encyclopedia
  23. Körner, F.W. (DL1CU): Geschichte des Amateurfunks. Seine Anfänge – Seine Entwicklung in Deutschland. Gerlingen, 1963, S. 159
  24. http://earlyradiohistory.us/1905teli.htm
  25. Bechen, Peter von, Hugo Gernsback: Der Mann, der die Zukunft erfand. In: Funkgeschichte 208 (April/Mai 2013), S. 40ff. Siehe http://www.gfgf.org
  26. Old Man, Mitteilungsblatt der Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure, Heft 4/1954, S. 135
  27. Hegewald, W.; Petermann, B: 60 Jahre FUNKAMATEUR – 23 Jahre unabhängig. In: FUNKAMATEUR Ausgabe 10/2012, S. 1024
  28. Old Man, Mitteilungsblatt der Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure, Heft 6/1954, S. 203
  29. Old Man, Mitteilungsblatt der Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure, Heft 9/1954, S. 322
  30. Old Man, Mitteilungsblatt der Union Schweizerischer Kurzwellen-Amateure, Heft 7-8/1954, S. 211f
  31. [http://www.amateurfunk.de/notfunk/berichte/ Deutscher Amateur-Radio-Club e.V. Distrikt Württemberg – Notfunk Referat
  32. THW-Karlsruhe: Funk im Katastrophenschutz
  33. 2m/80m-Relais in Namibia
  34. UKW-Berichte
  35. Magazin DUBUS
  36. DATV der Uni Wuppertal

Quelle