Ny Wilhelmshaven

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Luftaufnahme der Admiral-Armin-Zimmermann-Kaserne in Wilhelmshaven-Sengwarden

Die Station Ny Wilhelmshaven, Rufzeichen DHJ59, war ein Führungsunterstützungszentrum der Deutschen Marine in Wilhelmshaven-Sengwarden. Zusammen mit dem "Gegenstück" DHJ58 in Glücksburg-Meierwik bildete DHJ59 die komplette Führungsunterstützung der maritimen Streitkräfte Deutschlands ab. Das Personal, welches bei DHJ59 arbeitete, und das Fernmeldezentrum samt der Empfangsantennen waren in der Admiral-Armin-Zimmermann-Kaserne in Wilhelmshaven-Sengwarden untergebracht[1].

Mit Ablauf des 30. April 2013 hat DHJ59 seinen Betrieb als eigenständiges Fernmeldezentrum (Führungsunterstützungszentrum) eingestellt.[2][3][4] Nach einem vergleichsweise unspektakulären "THIS IS FIVE NINER, OUT" wurden die Sender vom Fernmeldezentrum in Wilhelmshaven-Sengwarden getrennt und durch das Fernmeldezentrum in Glücksburg übernommen. Seither werden die Aufgaben von DHJ58 ausschließlich übernommen und die Sendestellen vom Standort Glücksburg aus fernbedient.

Aufgaben

Das Aufgabenspektrum von DHJ59 umfasste zeitweise vier Arbeitsbereiche.

Ship to Shore

Empfänger Telefunken E863 Kw/2

Über das Fernmeldezentrum in Wilhelmsahven-Sengwarden wurden militärische Nachrichten ("Fernschreiben") von See an Land abgesetzt. Dies geschah in den Anfangszeiten noch per Morsetelegrafie wurde dann aber mit der Einführung verschiedener Schlüsselsysteme per Funkfernschreiben abgewickelt. Dieser Umstieg brachte zwei entscheidende Veränderungen mit sich: Nachrichten von See an Land mussten nicht mehr umständlich offline (also vor der Übermittlung) verschlüsselt werden, sondern geschah nun zeitgleich mit der Übermittlung (online verschlüsselt). Zudem war die Übertragungsgeschwindigkeit gegenüber Morsetelegrafie deutlich höher, wodurch die Länge der zu übermittelnden Nachrichten anwachsen konnte.

Übermittelt wurden grundsätzlich Meldungen aller Art - Befehlsbestätigungen, Wettermeldungen, Proviantanforderungen. Die empfangenen Nachrichten wurden bei DHJ59 für die Weiterleitung auf Fernschreibverbindungen an Land umgesetzt, da hier ein eigenes Format bzw. Verfahren notwendig war.

Shore to Ship

Dieser Übertragungsweg wurde für die Befehle vom Flottenkommando an die Einheiten in See genutzt. Über Landleitungen vom Flottenkommando eingehende Fernschreiben wurden so umgesetzt, dass sie per Funk ausgestrahlt werden konnten. Bis etwa 1991 gab es dazu zwei Wege:

  1. Über Tastfunk über den sogenannten G23B
  2. per Funkfernschreiben online verschlüsselt über den sog. G21B

Dieses Verfahren trug den Namen "Broadcast-Verfahren". Damit ist aber nicht der englische Begriff für Rundfunk gemeint sondern der Begriff ist im wörtlichen Sinne als Rundstrahl-Dienst zu verstehen. Der Begriff findet bis heute in der maritimen Führungsunterstützung der NATO Verwendung.

Maritime Rear Link

Maritime Rear Link (MRL) ist ein System, das sowohl Ship to Shore als auch Shore to Ship ermöglicht. Es wird da verwendet, wo Broadcast und Ship to Shore nur noch schwer nutzbar sind, weil sie aufgrund der physikalischen Eigenschaften der Kurzwelle keine gesicherte Übertragung mehr gewährleisten (Übertragungsfehler durch Fading, atmosphärische Störungen usw.).

Bei DHJ59 war MRL eine kombinierte Sprachfunk-Schreibfunk-Verbindung. Der operative Funkverkehr zwischen den Einheiten in See und dem Fernmeldezentrum wurde in Sprechfunk (J3E-U) durchgeführt, die Nachrichten selbst wurden per Schreibfunk (F1B/J7B/J2D) übermittelt. Zunächst wurde dafür ein dreikanaliges FEC-System genutzt (FEC-A3 mit 96 oder 144 Baud). Später wurde die Übertragung mit speziellen Modems (Echotel ETM-1810[5]) nach Stanag-4582 durchgeführt.

Flugfunk

Von DHJ59 aus wurden auch die Maritime Patrol Aircraft Breguet Atlantique des Marine Flieger Geschwader 3 (Nordholz) geführt. Bei Einsätzen der MPA setzten diese über DHJ59 ihre Meldungen ab. Dazu zählten der stündliche "Ops Normal" (all operations normal), die Meldungen on task (Einsatzbeginn nach Transit ins Einsatzgebiet) und off task' (Einsatzende vor Retransit nach Nordholz) oder Beobachtungsergebnisse.

Verfahren wurde hier wie beim MRL: Der operative Funkverkehr wurde in Sprechfunk durchgeführt, die Nachrichten selbst wurden per verschlüsseltem Funkfernschreiben übermittelt. Ab und an kam es jedoch vor, dass Routinemeldungen in Sprechfunk übermittelt wurden.

Revierfunk

Wie in der zivilen Schiffahrt auch werden von der Marine VHF- und UHF-Frequenzen für den lokalen Funkverkehr genutzt. Bei DHJ59 wurden die sogenannten Marinesignalstellen, die bis Ende der 1980er Jahre noch autark gearbeitet haben, fernbedient. So konnten die Einheiten ab dem Auslaufen aus dem Marinestützpunkt Wilhelmshaven bis in die weit entfernten Seegebiete komplett vom Fernmeldezentrum Wilhelmshaven versorgt werden.

Empfangsausstattung

Typischer RX der Deutschen Marine: Hagenuk RX1001M

Um die Schiffe, Boote und Flugzeuge der Marine empfangen zu können war die Liegenschaft am Dorfrand von Sengwarden mit schätzungsweise 15 Antennen ausgestattet. Dazu zählen zwei drehbare LogPer-Antennen, verschiedene Drähte mit unterschiedlicher geografischer Ausrichtung sowie vereinzelte Stabantennen, die zum Teil auf den Gebäuden errichtet waren.

Als Empfänger dürften Geräte des Typs Telefunken E863 später dann Hagenuk RX1001 M zum Einsatz gekommen sein. Beide waren zu Zeiten in der Deutschen Marine weit verbreitet. Der RX1001M konnte zudem als fernbedienbarer Empfänger eingesetzt werden. Am Arbeitsplatz selbst befand sich das Fernbediengerät (RX1001F) während der eigentliche Empfänger in einem separaten Raum befand, wo er vor Einstrahlungen durch Computer oder andere elektrosche Geräte geschützt war. Dies war vor allem dann von Interesse, wenn die Funkfernschreiben nicht mehr auf klassischen Fernschreibern auflaufen sondern bereits in IT-Systeme eingespeist werden sollten.

Abgesetzte Sendestellen

Drehbare LogPer-Empfangsantenne in der AAZK

Damit die eigenen Sendungen nicht direkt in die Empfangssysteme zurückschlagen waren die Sendestellen von DHJ59 abgesetzt. Es ist nicht ganz klar, wie die Ansteuerung dieser Sendestellen von Sengwarden aus funktionierte. Möglich sind Kabelverbindungen oder aber Richtfunkstrecken über den rot-weiß bebänderten Turm im Bild rechts.

Sender Neuharlingersiel

Marinefunksendestelle Neuharlingersiel

In Neuharlingersiel stand die größte Sendestelle von DHJ59[6]. Von hier aus wurde bis Mitte der 1990er Jahre auch die Langwellen-Funkfernschreibsendung auf 53 kHz ausgestrahlt, wofür eine Flächenantenne, welche von zwei 165 Meter und einem 171 Meter hohen, abgespannten Stahlfachwerkmast getragen wurde, verwendet wurde. Um die Jahreswende 2004/2005 wurden die Langwellenantenne, der 171 Meter hohe und einer der beiden 165 Meter hohen Sendemaste demontiert. Im nebenstehenden Foto sind noch die drei großen Masten der Langwellenantenne zu sehen.

Aufnahme der Sendestelle vom Mai 2012

Schätzungsweise standen in Neuharlingersiel 15 Sender mit Leistungen zwischen 1 Kilowatt und 20 Kilowatt für die Kurzwelle und möglicherweise 50 Kilowatt für die Langwelle zur Verfügung. Die Verbindung zwischen den Sendern und im Gelände verteilt stehenden Antennen war nicht statisch sondern konnte den aktuellen Anforderungen angepasst werden.

Die Sendestelle ist immer noch im Dienst, wird aber seit dem Ende der aktiven Arbeit in Sengwarden (und der damit verbundenen Deaktivierung des Rufzeichens DHJ59) vom Fernmeldezentrum in Glücksburg (DHJ58) fernbedient.

Sender Schortens

Die kleinere der beiden abgesetzten Sendestellen stand nur etwa 10 Kilometer Fahrtstrecke von Sengwarden entfernt in Grafschaft-Barkel bei Schortens[7]. Das Senderhaus und die Antennen waren durch Bäume schwerer von den nahen Straßen einsehbar als vergleichsweise die Sendestelle in Neuharlingersiel.

Hier waren vermutlich insgesamt zehn Kurzwellensender zu jeweils bis zu 1 Kilowatt im Einsatz, eine Langwellenkomponente war hier nicht vorhanden.

Im Zuge der Strukturreform der Bundeswehr von 2011 ist diese Sendestelle allerdings von der Marine an die Luftwaffe übergegangen und gehört jetzt zum IT-Sektor 1 der Luftwaffe in Wittmund. Vermutlich wird über diese Sendestelle ein Teils des sogenannten GAFRAN (German Airforce Radio Network), möglicherweise auch Dienste der Funkstelle DHM91 in Münster gesendet.

Ehemalige Sendestellen

Neben Schortens und Neuharlingersiel gab es in der Vergangenheit noch eine abgesetzte Sendestelle in Altenwalde bei Cuxhaven. Diese stammt noch aus der Anfangszeit der Führungsunterstützung im Bereich Nordsee und musste aus Platzgründen in den 1960er Jahren bereits aufgegeben werden.

Weblinks

Einzelnachweise