Ny Glücksburg

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DHJ58 ist das Rufzeichen des Marinefernmeldezentrums in Glücksburg bei Flensburg. Zusammen mit dem "Gegenstück" DHJ59 in Wilhelmshaven-Sengwarden (inzwischen geschlossen) bildet DHJ58 die komplette Führungsunterstützung der maritimen Streitkräfte Deutschlands ab. Das Personal, welches bei DHJ58 arbeitet, und das Fernmeldezentrum samt der Empfangseinrichtungen sind in der gleichen Kaserne untergebracht wie das Flottenkommando[1]. Das Flottenkommando befindet sich allerdings schon in Teilen an seinem neuen Standort Rostock. Dort wird die Arbeit als im Zuge der Strutkrureform von 2011 neu aufgestelltes Marinekommando fortgesetzt.

Aufgaben

Das Aufgabenspektrum von DHJ58 umfasst zeitweise mehrere Arbeitsbereiche.

Ship to Shore

Über das Fernmeldezentrum in Glücksburg werden militärische Nachrichten ("Fernschreiben") von See an Land abgesetzt. Dies geschah in den Anfangszeiten noch per Morsetelegrafie, wurde dann aber mit der Einführung verschiedener Schlüsselsysteme per Funkfernschreiben abgewickelt. Dieser Umstieg brachte zwei entscheidende Veränderungen mit sich: Nachrichten von See an Land mussten nicht mehr umständlich offline (also vor der Übermittlung) verschlüsselt werden, sondern geschah nun zeitgleich mit der Übermittlung (online verschlüsselt). Zudem war die Übertragungsgeschwindigkeit gegenüber Morsetelegrafie deutlich höher, wodurch die Länge der zu übermittelnden Nachrichten anwachsen konnte.

Übermittelt werden grundsätzlich Meldungen aller Art - Befehlsbestätigungen, Wettermeldungen, Proviantanforderungen. Die empfangenen Nachrichten wurden bei DHJ58 für die Weiterleitung auf Fernschreibverbindungen an Land umgesetzt, da hier ein eigenes Format bzw. Verfahren notwendig ist.

Shore to Ship

Dieser Übertragungsweg wird für die Befehle vom Flottenkommando an die Einheiten in See genutzt. Über Landleitungen vom Flottenkommando und anderen militärischen Dienststellen eingehende Fernschreiben werden so umgesetzt, dass sie per Funk ausgestrahlt werden konnten. Bis etwa 1991 gab es dazu zwei Wege:

  1. Über Tastfunk über den sogenannten G23A
  2. per Funkfernschreiben online verschlüsselt über den sog. G21A

Dieses Verfahren trug den Namen "Broadcast-Verfahren". Damit ist aber nicht der englische Begriff für Rundfunk gemeint sondern der Begriff ist im wörtlichen Sinne als Rundstrahl-Dienst zu verstehen. Der Begriff findet bis heute in der maritimen Führungsunterstützung der NATO Verwendung.

Mit der Abschaltung der Morsetelegrafie in der deutschen Marine ist dieser Übertragungsweg inzwischen passé.

Maritime Rear Link

Maritime Rear Link (MRL) ist ein System, das sowohl Ship to Shore als auch Shore to Ship ermöglicht. Es wird dort verwendet, wo Broadcast und Ship to Shore nur noch schwer nutzbar sind, weil sie aufgrund der physikalischen Eigenschaften der Kurzwelle keine gesicherte Übertragung mehr gewährleisten (zu viele Übertragungsfehler z. B. durch Fading, atmosphärische Störungen usw.).

Bei DHJ58 ist MRL eine kombinierte Sprechfunk-Schreibfunk-Verbindung. Der operative Funkverkehr zwischen den Einheiten in See und dem Fernmeldezentrum wird in Sprechfunk (J3E-U) durchgeführt, die Nachrichten selbst wurden per Schreibfunk (F1B/J7B/J2D) übermittelt. Für die Übertragung der Fernschreiben wird mit speziellen Modems (Echotel ETM-1810[2]) nach Stanag-4582 gearbeitet.

Flugfunk

Von DHJ58 aus wurden auch die Maritime Patrol Aircraft Breguet Atlantique des Marine Flieger Geschwader 3 (Nordholz) geführt. Bei Einsätzen der MPA setzten diese über DHJ58 ihre Meldungen ab. Dazu zählten der stündliche "Ops Normal" (all operations normal), die Meldungen on task (Einsatzbeginn nach Transit ins Einsatzgebiet) und off task' (Einsatzende vor Retransit nach Nordholz) oder Beobachtungsergebnisse. Abweichend von DHJ59 wird hier mit dem gesonderten Rufzeichen Argonaut gearbeitet.

Verfahren wird hier allerdings wie beim MRL: Der operative Funkverkehr wird in Sprechfunk durchgeführt, die Nachrichten selbst per verschlüsseltem Funkfernschreiben übermittelt. Ab und an werden jedoch Routinemeldungen in Sprechfunk übermittelt.

Revierfunk

Wie in der zivilen Schiffahrt auch werden von der Marine VHF- und UHF-Frequenzen für den lokalen Funkverkehr genutzt. Bei DHJ58 werden die sogenannten Marinesignalstellen, die bis Ende der 1980er Jahre noch autark gearbeitet haben, fernbedient.

Ubootsender Rhauderfehn

In Glücksburg werden die Sendungen für den Längstwellensender in Rhauderfehn aufbereitet. Die Operator steuern die Programmzeiten der einzelnen Unterseeboote und damit wird dieser Sender aus Glücksburg ferngetastet.

Empfangsausstattung

Typischer RX der Deutschen Marine: Hagenuk RX1001M

Um die Schiffe, Boote und Flugzeuge der Marine empfangen zu können ist die Liegenschaft von DHJ58 mit schätzungsweise 12 Antennen ausgestattet. Dazu zählen verschiedene Drähte mit unterschiedlicher geografischer Ausrichtung, Reusenantennen, sowie vereinzelte Stabantennen, die zum Teil auf den Gebäuden errichtet sind.

Als Empfänger dürften zunächst Geräte des Typs Telefunken E863, später dann Hagenuk RX1001 M zum Einsatz gekommen sein. Ob diese Ausstattung inzwischen weiter modernisiert wurde ist nicht bekannt. Möglich ist jedoch, dass mit einem geplanten Umzug des Führungsunterstützungszentrums (Strukturreform von 2011) die Empfnagstechnik komplett erneuert wird.

Abgesetzte Sendestellen

Damit die eigenen Sendungen nicht direkt in die Empfangssysteme zurückschlagen sind die Sendestellen von DHJ58 abgesetzt. Es ist nicht ganz klar, wie die Ansteuerung dieser Sendestellen von Sengwarden aus funktionierte. Möglich sind Kabelverbindungen oder aber Richtfunkstrecken.

Sender Hürup

Antennenfeld MFuSSt Hürup (inzwischen außer Dienst)

In Hürup, einem Ort zwischen Flensburg und Satrup, steht die größte Sendestelle von DHJ58[3]. Von hier aus wurde bis Mitte der 1990er Jahre auch die Langwellen-Funkfernscreibsendung auf 53 kHz ausgestrahlt, wofür eine Flächenantenne, welche von zwei 165 Meter und einem 171 Meter hohen, abgespannten Stahlfachwerkmast getragen wurde, verwendet wurde. Um die Jahreswende 2004/2005 wurden die Langwellenantenne, der 171 Meter hohe und einer der beiden 165 Meter hohen Sendemaste demontiert. Im nebenstehenden Foto sind noch die drei großen Masten der Langwellenantenne zu sehen.

Der Betrieb in Hürup ist inzwischen eingestellt und die Sendestelle größtenteils demontiert.

Sender Marlow

Etwa 20 Kilometer östlich von Rostock liegt die Sendestelle Marlow. Die Anlage ist eingebettet in ein Waldstück auf entsprechend feuchtem Boden. Von hier aus wurde bereits die Führungsunterstützung der Volksmarine ausgestrahlt. Zum System zählen insgesamt 11 Antennen unterschiedlichen Typs, von denen aber die Drehstandantenne sicherlich die auffälligste ist.Sie ist um 360° drehbar und kann unterschiedlich angesteuert werden, um größt mögliche Reichweiten zu erzielen.

Sender Rostock-Hohe Düne

Unweit des Marinehafens in Rostock - Hohe Düne am Ostufer der Warnow befindet sich eine weitere Sendestelle[4]. Sie ist jedoch wesentlich kleiner und mit nur einer handvoll Antennen ausgestattet. Offenbar dient sie ausschließlich der Versorgung des Nahbereichs (Nord- und Ostsee).

Marinefunksendestelle Rhauderfehn (DHO38)

Siehe auch: Marinefunksendestelle Rhauderfehn für weiterführende Informationen.

Im ostfriesischen Rhauderfehn steht die Uboot-Sendeanlage, mit der per Längstwellen auch getauchte Uboote mit Nachrichten und Informationen versorgt werden können.

Ehemalige Sendestellen

Neben den drei genannten Sendestellen gab es in der Vergangenheit noch eine abgesetzte Station in Dollerup. Diese wurde jedoch aus bautechnischen Gründen aufgegeben.

Einzelnachweise