G07

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Deutschsprachig:
G01G02G03G04G05G06G07G08G09G10G11G12G13
Morsesignale:
M12
Eckdaten von G07
SVRlogo.jpg
Emblem des SVR
Family
(nach ENIGMA / E2k)
Ib
Stimme / Sprechweise Young Lady, automatisch
Gleiche Stimme wie G06 und G08
Spitzname / Alias „Friday Night Fraulein“
NUI NOICHEN
Modulation A3E
Nationalität URS UdSSR
RUS Russland
Sprach-Derivate E07, V07, S07
Morse-Derivate M12, XPA,XPA2
Status Inaktiv
Erstes Log Januar 1985
Letztes Log Ende Januar 2001
Siehe auch: Liste der Zahlensender

G07 war ein Zahlensender, der bei Kurzwellenhörern und Zahlensenderbeobachtern auch unter dem Alias „Friday Night Fraulein“ bekannt wurde. Er gehört zur gleichen „Familie“ von Zahlensendern wie die noch aktiven Dienste E07, V07 und M12.

Es wird angenommen, dass der ehemals sowjetische Geheimdienst KGB und dessen Nachfolger SVR für die Sendungen verantwortlich zeichnen.


Klassifizierung

G07 ist durch die ENIGMA-Gruppe aufgrund der Sprache (G = German) klassifiziert und wird der sogenannten „Family Ib zugeordnet. Zu dieser „Familie“ zählen ebenso die Sprachderivate E07, S07 und V07 sowie der Morsezahlensender M12 und die Polytonstationen XPA und XPA2. Ebenso sollen die Sendungen der „Mazielka“ (X06) vom gleichen Urheber stammen.

Betreiber

Schon in den frühen Jahren der Beobachtung von G07, vor allem aber seiner „Sprach-Geschwister“, erlangten Kurzwellenamateure Gewissheit, dass die Sendungen aus Osteuropa stammen mussten. Als Quelle wurde durch einfache Peilungen und Richtungsbestimmungen das westliche Russland ausgemacht. Daher lag es sehr schnell nahe, einen der zunächst sowjetischen Geheimdienste im Empfänger zu haben. Aus heutiger Sicht handelte es sich um den ehemaligen KGB und dessen noch heute aktiven Nachfolger SVR. Grundlage für diese Annahme sind die gewonnenen Erkenntnisse seit dem Fall der Berliner Mauer, dem damit einhergehenden „vorläufigen Ende“ des Kalten Krieges und dem inzwischen im Internet zusammengetragenen Wissen.

Zwar steht der SVR dem Militärnachrichtendienst Russlands (GRU) personell nach, aber aufgrund der engen Verflechtungen von KGB und SVR mit dem diplomatischen Korps Russlands betreibt dieser zivile Geheimdienst eines der dichtesten Informationsnetze weltweit. So kann nach diversen Vorfällen, die seit 1995 publik geworden sind, davon ausgegangen werden, dass in allen Botschaften und Konsulaten Russlands aktive Spionage betrieben wird. In diesem Licht betrachtet erscheint die Größe der „Familie Ib“ mit den Sprachsendungen von G07, S07, E07 und V07 sowie der Morsestation M12 und den Polytonstationen XPA und XPA2 entsprechend konsequent. So erklären sich auch die vielen Empfangsgebiete der Family Ib. Logs zu Diensten des SVR stammen noch heute (Stand: Mai 2018) aus allen Teilen der Welt!

Senderstandorte

Bislang gibt es keine exakten Angaben zu den Senderstandorten der Family Ib. Gefestigt sind bislang nur die Erkenntnisse, dass die in Europa empfangbaren Sendungen von G07 (und auch E07) aus dem westlichen bis zentralen Russland kommen. Unter Zuhilfenahme verschiedener Hinweise aus allen Teilen des Internets lassen sich über Google Earth und die „Maps“-Dienste anderer Anbieter unzählige Kurzwellen-Sendestellen in Russland ausmachen. Welche von diesen aber die Quelle von Zahlensendungen ist, konnte bislang nicht ohne weiteres festgestellt werden (Stand: Mai 2018).

Eine Mitnutzung militärischer Sendestellen, wie sie durch G06 oder S06 vermutet wird, dürfte nicht der Fall sein. Viel wahrscheinlicher ist die Nutzung von Sendestellen, die ehemals den Auslandsrundfunk der Sowjetunion bzw. Russlands ausgestrahlt haben. Vor allem vor dem Hintergrund der seit 2010 immer mehr zunehmenden staatlichen Kontrolle russischer Medien erscheinen Verbindungen zwischen Außenpolitik, Diplomatie, nachrichtendienstlicher Aktivität und „Propaganda“ nicht unwahrscheinlich.

Von wo genau jedoch die Zahlenreihen von G07 gesendet wurden kann heute nicht mehr festgestellt werden. Angaben dazu, sofern sie nicht hinreichend belegt und dokumentiert sind, gehören damit eher ins Reich der Spekulation. Einzig Einpeilungen von E07 könnten noch Hinweise auf ehemals verwendete Sender liefern.

Geschichte

Nach dem bisherigen Stand der Erkenntnisse war G07 gute 16 Jahre aktiv. Damit besaß die Station eine vergleichsweise kurze Lebensdauer, vor allem im Vergleich zu anderen Zahlensendern aus der ehemaligen Sowjetunion und dem heutigen Russland. Zwar gehen einige Usergruppen davon aus, dass G07 bereits in den 1970er Jahren aktiv war [1], andere Berichte verweisen auf ein Erscheinen etwa um die Mitte der 1980er Jahre. Aufgrund der möglichen Verwechselung mit G06 erscheint letzteres jedoch am wahrscheinlichsten.

Erstes Log

Problematisch ist, dass die Stimme von G07 auch bei G08 und G06 zum Einsatz kam. Vor allem die Verwechslung von G07 und G06, hauptsächlich bei der Dokumentation von Logs vor der Klassifizierung durch ENIGMA, könnte hier die „Spuren verwischen“. Dadurch wird eine Rekonstruktion schwer oder fast schon unmöglich, da viele Logs von G06 und G07 schlichtweg vertauscht worden sind.

Nach dem heutigen Stand der Recherchen (Mai 2018) wird geschätzt, dass G07 seinen Betrieb am 10. Januar 1985, in der Zeit nach den russischen Weihnachtsferien, aufgenommen hat.

Letztes Log

Zuletzt wurde G07 im Januar 2001 geloggt[1]. Seither schweigt das „Friday Night Fraulein“, auch wenn G07 angeblich am 31.10.2011 um 0845 UTC nochmals auf Sendung gewesen sein soll[2]. Viel eher ist aber davon auszugehen, dass es sich um eine FAKE-Sendung gehandelt hat. Gestützt wird diese Vermutung darauf, dass die Sendung angeblich in reinem USB, ohne Träger, stattgefunden haben soll. Dies wäre an sich relativ untypisch für G07. Zudem erscheint die verwendete Frequenz (16271,0 kHz), ausgehend von Senderstandorten im westlichen Russland, für eine Versorgung des deutschsprachigen Raums deutlich ungeeignet. Selbst wenn man hierbei einkalkuliert, dass sich der Sonnenfleckenzyklus 2011 seinem Höhepunkt näherte, ist die Frequenz eindeutig zu hoch. Hier nun die dazugehörige Aufzeichnung von OM danix111:
<html5media>File:G07-16271usb-20111031-0845z-msg-bydanix.mp3</html5media>
Aufnahme von 31.10.2011 0845z auf 16271kHz (USB)

Format

Sendeformat von G07 Siehe auch Format von Zahlensendungen
Ankündigungssignal Präambel Nachricht Ende der Übertragung
entfällt Mit Message
    Einleitung Message Wiederholung Ende  
iii iii iii 1
R5m
1. ACHTUNG!
ddd(d) (g)gg
fffff entfällt NNN ENDE!
NULL-Message
iii iii iii
NNN
R5m
  ENDE!

Abweichend von den „Schwester-Stationen“ E07, V07 oder S07 dauerte die Präambel fünf statt nur zwei Minuten. Hinzu kam bei G07 die Verwendung der Signalwörter „ACHTUNG“ und „ENDE“. Warum diese bei G07 verwendet wurden und bei den anderen Stationen nicht ist ungeklärt. Es könnte damit zusammen hängen, dass „Agenten“, die durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) geführt wurden, gleichzeitig für den KGB gearbeitet haben und nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik noch eine Zeit lang weiter für Moskau spioniert haben. Setzt man dazu voraus, dass die Sprach-Morse-Generatoren der DDR in Moskau weiter verwendet wurden, könnte dies eine schlüssige Erklärung sein.

Bis auf eine Ausnahme am 22.03.1996, 1900 UTC, wurden nur Sendungen mit einer Botschaft dokumentiert. An diesem Tag wurden jedoch zwei Nachrichten übertragen.

ID

Wie auch bei den übrigen Stationen der Familie Ib gab es mehrheitlich einen Zusammenhang zwischen der sogenannten „ID“ und den genutzten Frequenzen. Dieser Zusammenhang wurde aber erst um die Mitte der 1990er Jahre richtig erkannt.

Bis auf wenige Einzelfälle wird zur Bildung der ID die 100-kHz-Stelle des genutzten Frequenz-Trippels genommen. Dies gilt für alle Dienste der Familie Ib, also E07, G07, S07, V07, M12 und XPA. Ausnahme in dieser Familie ist XPA2, dieser Dienst verwendet keine ID.

Hier einige Beispiele für die Bildung der ID, am Beispiel von E07 für den Monat Mai 2018:

Tage - Zeiten 1. Frequenz 2. Frequenz 3. Frequenz ID
MO, MI - 1900-1920-1940 17472 15872 13372 483
DI, FR - 1100-1120-1140 19659 17459 16159 641
MI, SO - 1700-1720-1740 14763 13363 12163 731
MI - 2000-2020-2040 (E07a) 12166 10766 9266 172
DO - 0430-0450-0510 (E07a) 7933 9133 10233 912
DO - 2010-2030-2050 (E07a) 11539 10547 93888 553
FR - 1510-1530-1550 (E07a) 12182 11082 10182 101
SA, SO - 0600-0620-0640 9064 10264 11464 024
SA - 0800-0820-0840 (E07a) 12177 13477 14877 148

Sprache und Stimme

Die Stimme von G07 entspricht der von G06 und G08, war aber später "gepitched", wodurch sich zwar die Tonhöhe der Sprechstimme veränderte aber nicht die "Abspielgeschwindigkeit". Allerdings erschien sie immer etwas dünner und zittriger als bei G08. Dies kann aber, ähnlich G06, ein technischer Umstand sein, bedingt durch ein anderes Sampling- bzw. Abtastverfahren beim Sprach-Morse-Generator.

Varianten

Es gab eine Variante von G07, bei der die Fünfergruppen zweimal hintereinander verlesen wurden. Diese Variante erhielt die Bezeichnung G07a. Bekannt ist nur eine ID (774), bei der diese Variante angewendet wurde.


Sendeformat von G07a Siehe auch Format von Zahlensendungen
Ankündigungssignal Präambel Nachricht Ende der Übertragung
entfällt Mit Message
    Einleitung Message Wiederholung Ende  
iii iii iii 1
R5m
1. ACHTUNG!
ddd(d) (g)gg
FFFFF entfällt NNN ENDE!

Sendeplan

Wie die anderen Stationen der „Familie Ib“ nutzte auch G07 das Prinzip der zwei bzw. drei aufeinanderfolgenden Übertragungen. Null-Messages wurden einmal, volle Nachrichten dagegen zweimal wiederholt. Abweichend von E07 oder V07 erfolgte die Wiederholung einer NULL-Message nicht nach 20 Minuten sondern bereits zehn Minuten früher. War die Sendung um 1800 UTC beispielsweise eine NULL-Message wurde sie auf der Folgefrequenz schon um 1810 UTC statt 1820 UTC gesendet. Nachrichten durften, um die Zeitintervalle der Wiederholungen von 20 Minuten einhalten zu können, nicht mehr als 150 Gruppen enthalten. Waren es dennoch einmal mehr als 150 Gruppen, verschoben sich die Wiederholungssendungen um jeweils zehn Minuten. Reichte dies, wie in einem Fall Anfang der 1990er Jahre, noch nicht aus, verschoben sie sich um weitere zehn Minuten. In diesem Fall erfolgten also die erste Sendung um 1800 UTC, die zweite um 1840 UTC und die dritte Übertragung fand um 1920 UTC statt.[3] Nachrichten mit einem solchen Umfang waren jedoch selten, meist bewegte sich die Gruppenzahl zwischen 30 und 70.

Wie auch die anderen Stationen des gleichen Verbundes waren die Folgefrequenzen bis 1000 UTC höher als die der ersten Sendung, danach waren sie niedriger. Der Abstand lag dabei zwischen nur 200 kHz [4] und 2 MHz. Damit sollte den täglichen Veränderungen bei der Ausbreitung der Kurzwelle Rechnung getragen werden, um sicherzustellen, dass der oder die Empfänger die Nachrichten in jedem Fall empfangen konnten.

Gemäß den bislang bekannten Dokumentationen verfolgte G07 einen äußerst „stabilen“ Sendeplan. Vor allem die Dreier-Slots am Freitagabend, denen G07 seinen „Spitznamen“ verdankte, waren über viele Jahre mit wechselnden Frequenzen auf Sendung. Leider sind so gut wie keine vollständigen Sendepläne mehr erhalten, so dass der nachfolgend dokumentierte Plan keinen Anspruch auf Vollständig erheben kann und maximal als Beispiel zu verstehen ist. Die Daten im Einzelnen sind verschiedenen Ausgaben der Newsletter von ENIGMA und ENIGMA2000 entnommen.

Mai 1994

Tag Zeit 1. Frequenz 2. Frequenz 3. Frequenz ID
MON 2000 6775 5775
TUE 0630 7379 8177 9280
TUE 2000 6775 5775
THU 0630 7379 8177 9280
SAT 0800 13485

September 1994

Tag Zeit 1. Frequenz 2. Frequenz 3. Frequenz ID
TUE 0630 7379 8178 9280 278
TUE 2000 6775 5775 774
THU 0630 7379 8178 9280 278
THU 1830 13385 723
THU 2140 6925 5830 498
SAT 0800 13548 41585 456…562

Januar 1995

Tag Zeit 1. Frequenz 2. Frequenz 3. Frequenz ID
THU 2130 8035 6775 ?
FRI 0440 5066 704
FRI 1915 10227 ?
SAT 0615 ca. 5,4 MHz 5066 841
SAT 0900 12227 11127 9427 214
SAT 2130 5155 378

Mai 1995

Tag Zeit 1. Frequenz 2. Frequenz 3. Frequenz ID
MON 2000 4594 736
TUE 0500 8140 9040 510
TUE 0630 7378 8178 9278 278
THU 0630 7378 8178 9278 278
THU 1900 10450 146
THU 2000 5830 6925 498
FRI 0500 5066 704
SAT 0700 12227 11127 9427 214
SAT 1800 9127 8127 5827 214

Anomalien

Da G07 als äußerst zuverlässig galt verwundert es nicht, dass es so gut wie keine Berichte über Anomalien gab. Bekannt sind nur einige Male, in denen man auf Seiten des Betreibers wohl mit der Verschiebung durch die Sommerzeit durcheinander geraten ist[4]. Grobe Schnitzer, vor allem aber technische Probleme, sind nicht dokumentiert.

Störungen und Interferenzen

Da auch G07 oftmals unweit der Rundfunk-Bänder arbeitete kam es verschiedentlich zu Interferenzen mit diesen. Dadurch konnte es jedoch passieren, dass einer der Timeslots nicht aufgenommen werden konnte. Besonders hervorzuheben sind dabei die Frequenzen 7327,0 und 9427,0 kHz[4].

Tondokumente


Klangbeispiel vom 31. Juli 2000, 2010z, 8173 kHz (Quelle: Gert, E2k)


Mitschnitt von G07 - Datum, Zeit, Frequenz unbekannt.


Weiterer G07-Mitschnitt, OM Leen in HOL - Datum, Zeit, Frequenz unbekannt.


Zusammenschnitt G07: Intro, Ende. Datum, Zeit, Frequenz: unbekannt.


Klangbeispiel G07: Präambel "736", Einleitung "804 804 71 71" - Datum, Zeit, Frequenz: unbekannt.

Einzelnachweise und weitere Links

  1. 1,0 1,1 Seite über G07 bei PRIYOM
  2. Log von OM danix111: G07, 0845 UTC, 16271,0 kHz USB, abgerufen am 28.03.2018
  3. Spruch von G07 mit 243 Gruppen, abgerufen am 12.01.2018, nicht archiviert!
  4. 4,0 4,1 4,2 G07 bei Simon Mason, abgerufen am 28.03.2018


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