M12

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Eckdaten von M12
SVRlogo.jpg
Emblem des SVR
Family
(nach ENIGMA / E2k)
Ib
Stimme / Sprechweise entfällt
Spitzname / Alias keiner
Modulation A1A/CW
Nationalität RUS
Sprach-Derivate E07/a, G07, V07, S07
Morse-Derivate XPA
Status Aktiv
Erstes Log 1970er Jahre
Letztes Log aktiv
Siehe auch: Liste der Zahlensender

Der Zahlensender M12 gehört zu den ältesten aktiven Morse-Zahlensendern. Erste Beobachtungen reichen offenbar bis in die 1970er Jahre zurück, lassen sich heute aber nicht mehr dokumentieren. Das erste Mal wurde M12 Mitte der 1990er Jahre konkret benannt und erfasst, als die ENIGMA-Gruppe die Zahlensender ordnete.

M12 ist nach wie vor sehr aktiv, mit regelmäßig wechselnden Sendeplänen. Einige Frequenzen werden über die Jahre immer wieder verwendet, andere Frequenzen wechseln maximal die Sendezeiten.

Klassifizierung

M12 ist durch die E2K-Gruppe aufgrund der Morse-Übertragung (M = Morse) klassifiziert und wird der Familie Ib zugeordnet.

Betreiber

Laut der im Frebruar 2016 herausgegebenen ENIGMA 2000 Active Stations and N&O ident list gehört M12 zur Gruppe der "Non-voice stations" mit der zugehörigen Familie IB (KGB/GRU/FSB). M12 sowie XPA/2 und E07/a sind dem KGB bzw. dessen nachfolgende Organisation SVR zugeordnet. Bestätigt wurde dies mit der Enttarnung des Agentenpaars Anschlag, als man Heidrun Anschlag beim Zugriff dabei erwischte, wie sie eine Botschaft von M12 dekodierte.

Senderstandorte

Über Senderstandorte liegen leider keine Informationen vor. Es gibt aber Vermutungen, dass die Sendungen für Asien und das westliche Nordamerika von der Insel Kamtschatka ausgestrahlt werden. Belegt ist dies bislang jedoch noch nicht. Auch für die in Europa empfangbaren Sendungen konnte bislang noch keine Sendestelle ausgemacht werden.

Geschichte

Am 20. Dezember 1920 unterschrieb Felix Dserschinski die Anordnung Nr. 169 zur Gründung einer Abteilung für Auslandsaufklärung (Inostranny Otdel – INO). Es war die Geburtsstunde der zivilen Auslandsaufklärung in der Sowjetunion. Bis dahin hatte es lediglich eine Sonderabteilung für militärische Auslandsaufklärung gegeben, die sich nebenher auch um die zivile Informationsgewinnung kümmerte. Der heutige SVR betrachtet sich als INO-Nachfolger. Das 80-jährige und das 90-jährige INO-Jubiläum wurden vom SVR festlich begangen.

Es gibt unbestätigte Informationen darüber, dass M12 schon in den 70iger Jahren aktive gewesen sein soll. In der Ausgabe #3 von NUMBERS & ODDITIES aus dem Jahr 1998 werden die Erkennungsmerkmale von M12 genau beschrieben. Die Morse-Zahlensender wurden in diesem Zeitraum zwar beobachtet, allerdings konzentrierte man sich mehr auf die "gesprochenen" Zahlensender.

Erstes Log

Leider gibt es zum ersten Log keine genauen Informationen mehr. Unbestätigten Quellen zufolge wurde M12 bereits in den 1970er Jahren beobachtet. Meldungen aus den 1980er Jahren gibt es allerdings keine mehr. Erst mit der Ordnung der Zahlensender durch die ENIGMA-Gruppe in den 1900er Jahren rückten auch die gemorsten Zahlensender in den Fokus. Der Newsletter N&O #03 von 1998 enthält zu M12 folgenden Eintrag: "I first logged it in October 1996 but I know it has been logged before this, usually sent to an ID starting with the figure 3. At present being sent to 314.". Diese Information ist noch im Internet zu finden, andere Aufzeichnungen konnten nicht mehr gefunden werden.

Letztes Log

M12 ist nach wie vor zum Teil mehrmals täglich aktiv.

Format

Sendeformat von M12 Siehe auch Format von Zahlensendungen
Ankündigungssignal Präambel Nachricht Ende der Übertragung
Entfällt Mit Message
    Einleitung Message Wiederholung Ende  
iii iii iii c
R2m
1. ddd/dddd gg R2 fffff keine NNN Entfällt
NULL-Message
iii iii iii nnn
R2m
  Entfällt

Der Zahlensender M12 hat zwei auffällige Erkennungsmerkmale:

  1. Zwei unterschiedliche Gebe- bzw. Übertragungsgeschwindigkeiten innerhalb der Aussendung einer Nachricht.
  2. Die Zahl "0" wird als Buchstabe "T" (also ein "Strich") gegeben.

Die Präambel wird mit einer mittleren Geschwindigkeit von cirka 12 bis 14 Wörtern pro Minute (WPM) übermittelt. Aber der Einleitung erfolgt eine deutlich schnellere Übermittlung mit ca. 24 WPM.

M12 verwendet den gemorsten Buchstaben T („Strich“) für die Zahl NULL, die normalerweise aus fünf „Strichen“ besteht. Dies dient der reinen Zeitersparnis bei der Übertragung von Nachrichten. Wie M12 nutzen einige andere gemorste Zahlensender, die man den russischen Nachrichtendiensten zuordnet (z. B. M01 oder M14) das „T“ als NULL.

Verwendung der ID

In den meisten Fällen setzt sich die ID (iii) aus dem 100 kHz-Wert der drei für einen Slot verwendeten Frequenzen zusammen.

Beispiel ID 404
Zeit Freitag
1500z 20041
1520z 19041
1540z 18441

Die Werte für 10 und 1 kHz sind normalerweise bei allen Frequenzen gleich. Damit verhält sich M12 exakt wie XPA und E07.

Bei M12 gibt es aber drei grundsätzliche Ausnahmen, wo die ID sich nicht aus Frequenzwerten zusammensetzt (alle zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Tagen):

  1. ID 463: 8047,0 / 6802,0 / 5788,0 kHz
  2. ID 257: 9176,0 / 7931,0 / 6904,0 kHz
  3. ID 124: 10343,0 / 9264,0 / 8116,0 kHz

Es gibt noch weitere solcher Beispiele, die aber nicht jeden Monat aktiv sind.

Die grundsätzliche "Funktion" der ID ist bislang nicht geklärt. Es ist möglich, dass sie lediglich der Identifikation des zu versorgenden Empfänger(kreises) dient oder das für den Inhalt verantwortliche Dezernat kennzeichnet. Es gibt aber auch noch weiterreichende Spekulation zur Verwendung und Bedeutung der ID, die aber bislang alle nicht bestätigt sind.

Frequenzwahl

Die drei Frequenzen jedes Slots werden offenbar so gewählt, dass sie den jahreszeitlich bedingten Veränderungen der Kurzwellenausbreitung für das angedachte Zielgebiet Rechnung tragen. So sind die zweite und dritte Frequenz eines Slots von 1200 UTC höher als die erste, nach 1200 UTC steigen die Frequenzen wieder ab. Daraus ergibt sich, dass manche ID grundsätzlich nur vormittags und andere nur nachmittags zu hören sind.

Die Differenz zwischen den ersten, zweiten und dritten Frequenzen liegt zwischen 0,5 und 1,5 MHz. Größere Abstände wurden bislang nicht beobachtet.

Gegenwärtig gibt es eine Aussendung mit dem Zielgebiet Kanada und Zentralamerika aus dem asiatischen Bereich Russlands (vermutlich Kamchatka). Entsprechend liegen die Sendezeiten in der europäischen Nacht. Bei den im nachfolgenden Sendeplan aufgeführten Frequenzen und Sendzeiten ist ein Empfang in Mitteleuropa nur sehr schwer möglich.

Als Beispiel hier ein Sendeplan mit Stand vom September 2016:

M12 TT sched V 11 1 06 September 2016.JPG

Modulation

Die Aussendungen (Modulationsarten) von Telegraphiesendern werden grundsätzlich wie folgt unterschieden: CW [Carrier Wave], MCW[Modulated Carrier Wave] und ICW [Interrupted Carrier Wave]. M12 verwendet im Prinzip alle Modes, hauptsächlich jedoch ICW.

Varianten

Bis Dezember 2011 wurde eine Variante von M12 beobachtet, die nicht nur eine Botschaft je Slot aussendete sondern zwei oder drei. Diese Variante wird von E2k als M12a geführt. Sie unterschied sich lediglich durch die Anzahl der pro Slot übermittelten Nachrichten von M12:

Format: M12a Siehe auch Format von Zahlensendungen
Erkennungssignal Präambel Sendung Ende der Sendung
Entfällt Mit zwei Messages
iii iii iii 2
R2m
Nr. Einleitung Text Wiederholung Ende
1. d1d1d1 / d1d1d1d1 gg R2 fffff keine NNN entfällt
2. d2d2d2 / d2d2d2d2 gg R2 fffff keine NNN entfällt
Mit drei Messages
iii iii iii 3
R2m
1. d1d1d1 / d1d1d1d1 gg R2 fffff keine NNN entfällt
2. d2d2d2 / d2d2d2d2 gg R2 fffff keine NNN entfällt
3. d3d3d3 / d3d3d3d3 gg R2 fffff keine NNN entfällt

Bei der Variante M12a gab es keine NULL-Messages, denn diese Variante umschreibt lediglich das Format für zwei bzw. drei vorliegende Messages.

Sendeplan

M12 hat einen monatlich wechselnden Sendeplan, der regelmäßige Wiederholungen von Nachrichten zeigt. Die jeweils aktuellen Sendezeiten sind auf der Homepage von priyom.org zu finden.

Beispiel: Sendeplan M12 für Mai 2016

Uhrzeit
[UTC]
Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
02:20 15826 15826
02:40 14576 14576
03:00 13416 13416
04:30 5792
04:50 6992
05:00 12203 12203 8176
05:10 7692
05:20 10693 10693 9376
05:40 9293 9293 10476
06:30 7484
06:50 8084
07:10 15853 9284
07:30 16353
07:50 17453
08:00 17427 17427
08:20 15827 15827
08:40 14527 14527
11:00 12205
11:20 13559
11:40 14728
13:00 11534 11524
13:10 14468 14468
13:20 10424 10424
13:30 13568 13568
13:40 9324 9324
13:50 12178 12178
15:00 13386 20441
15:20 12189 19041
15:40 11491 18441
16:00 11435 11435
16:20 10598 10598
16:40 9327 9327
17:00 11435 8047 12162
17:20 10598 6802 11566
17:40 9327 5788 10711
18:00 9176 9176 11435
18:20 7931 7931 10598
18:40 6904 6904 9327
19:00 9176 8047 9176
19:20 7931 6802 7931
19:30 10343 11435
19:40 6904 5788 6904
19:50 9264 10598
20:00 8047 8047 8047 8047 8047 8047 8047
20:10 8116 9327
20:20 6802 6802 6802 6802 6802 6802 6802
20:40 5788 5788 5788 5788 5788 5788 5788
21:00 6793
21:10 11469 11469
21:20 5893
21:30 10469 10469
21:40 4593
21:50 9169 9169

Anomalien

Interessant ist eine Beobachtung von Februar 2007, die einen Zusammenhang zu XPA/XPA2 herstellte. Man hatte die Sendepläne von XPA und M12 offenbar miteinander getauscht: Statt M12 wurde eine Polyton-Sendung von XPA beobachtet.

Eine interessante ID ist die 975 mit einer Aussendung im November/Dezember 2015 um 2210/30/50z am Montag und Donnerstag. Das erste Mal wurde 975 im Jahr 2008 mit fast identischen Frequenzen gehört, danach erfolgte eine Verwendung der ID in einer XPA-Aussendung im Februar 2009. Bis 27. Juli 2011 wurde diese ID dann nicht mehr beobachtet. Als sie dann wieder auftauchte wurde die bislang beispiellose hohe Anzahl von 1291 Gruppen gesendet. Etwas Vergleichbares wurde bisher nicht mehr berichtet.

Fehlerhafte Sendungen

Technische Fehler bei Übertragungen, die in den vergangenen Monaten ein häufiges Problem waren, scheinen jetzt fast verschwunden zu sein. Dennoch passieren immer wieder Verschiebungen in den Slots, die nach kurzer Zeit korrigiert werden. Es könnte sich hierbei auch um eine Verringerung in der Anzahl der verwendeten Sender handeln. Dadurch müssen zeitgleiche Slots auf freie Zeiten verschoben werden.

Störungen und Interferenzen

In der Vergangenheit wurden häufig sogenannte "Keyclicks" beim Tasten des Senders wahrgenommen. Daran konnte man M12 beim Drehen über die Bänder erkennen. Es wurden auch vor Beginn einer Aussendung kurze Trägeraussendungen festgestellt. Dies ist heute nicht mehr der Fall.

Tondokumente


Klangbeispiel für M12, undatiert

Weblinks

Quellen


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