G12

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Deutschsprachig:
G01G02G03G04G05G06G07G08G09G10G11G12G13
Morsesignale:
M12
Eckdaten von G12
CoA Heeresnachrichtenamt.jpg
Wappen des Heeresnachrichtenamtes
der Republik Österreich (Bundesheer)
Family
(nach ENIGMA / E2k)
IV
Stimme / Sprechweise Young Lady, automatisch
Spitzname / Alias „N N N“
„Drey“[1]
Modulation AM (A3E/H3E)
Nationalität AUT Österreich
Sprach-Derivate E12, V12, V18
Morse-Derivate M02
Status Inaktiv
Erstes Log bereits vor 1970?
Letztes Log Ende 1995
(März 1997?)
Siehe auch: Liste der Zahlensender

G12 war ein Zahlensender, der auch unter dem Alias „N N N“ bekannt wurde. Auch über diesen Sender war zunächst wenig bekannt, doch durch intensive Recherchen in den vergangenen Jahren konnten einige Details zutage gefördert werden, über die lange spekuliert wurde. Dadurch, dass G12 Sprachgeschwister in Ungarisch, Englisch und Französisch besaß, wurde beispielsweise lange über den Betreiber gerätselt.

Klassifizierung

G12 ist durch die ENIGMA-Gruppe aufgrund der Sprache (für G = German) klassifiziert und wird der sog. Family VI zugeordnet.

Betreiber

Datei:Kdo-Theodor-Koerner.jpg
Kommandogebäude General Theodor Körner in Wien-Penzing, Sitz des HNaA

Es gilt als gesichert, dass G12 wie auch seine „Geschwister“ E12, V12, V18 und M02 durch das Österreichische Bundesheer, speziell das Heeres-Nachrichtenamt (HNaA), betrieben wurden. Das HNaA ist der strategische Auslandsnachrichtendienst Österreichs und untersteht dem Bundesministerium für Landesverteidigung.[2] Während des kalten Krieges galt die größte Aufmerksamkeit des HNaA den östlichen Nachbarn ČSSR und Ungarn, sowie ferner Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien und der Sowjetunion.

Mit dem Ende des Kalten Krieges nach 1990 verlagerte sich die Aufklärungstätigkeit des HNaA zunehmend auf die Schwerpunkte der sicherheitspolitischen Interessen der EU. In den Fokus gerieten dabei die Jugoslawienkriege des ausklingenden 20. Jahrhunderts, fanden sie doch unweit der Grenzen Österreichs statt. Die Abschaltung von G12 - und am Ende auch E12 - ging einher mit dem Ende des Bosnien- und des Kroatienkrieges 1995.

Damals wie heute ist die Kernaufgabe des HNaA die Unterrichtung der österreichischen Bundesregierung durch nachrichtendienstliche Quellen wie Funkaufklärung, HUMINT und OSINT über das Ausland und internationale Organisationen.[2]

Senderstandorte

Nach derzeitigem Stand der Recherchen (Augut 2018) wurden die Sendungen von G12 wie auch seiner „Geschwister“ über die Sendeanlage Fleckendorf ausgestrahlt. Diese wurde hauptsächlich für den Übersee-Radiotelephoniedienst mit Nord- bzw. Südamerika und Afrika[3] und zwischenzeitlich auch für den Auslandsdienst des ORF genutzt. Anfang 1968 stellte der ORF seine Sendungen aus Fleckendorf ein, der Überseedienst endete angeblich 1978[4], bestätigt sind diese Sendungen jedoch nur bis etwa Ende 1971.[3] Daher erscheint es wahrscheinlich, dass das HNaA den Sender nach Abschaltung des Auslandsrundfunks offenbar schon mitbenutzte, auch wenn andere Quellen angeben, das Bundesheer habe den Sender zu diesem Zeitpunkt bereits übernommen.[5]

Geschichte

Ausgehend von den Recherchen zum Senderstandort scheint G12, bzw. eine oder mehrere andere Stationen der gleichen Familie, ihren Betrieb 1968 oder 1969 aufgenommen zu haben. Bislang ist aber keine Sendung von G12 vor 1970 dokumentiert, daher kann darüber nur gemutmaßt werden. Bei E12 geht man jedoch davon aus, dass der Sendebetrieb bereits vor 1970 begann.

Erstes Log

Dokumentiert ist ein erstes Log von G12 durch Jochen Schäfer um den Winter 1978/1979. Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Beginn des Sendebetriebs in diesem Zeitraum. Viel wahrscheinlicher ist, dass G12 bereits vorher auf Sendung war. Allerdings gibt es bislang (Stand Augut 2018) keine Dokumente, die dies näher belegen.

Letztes Log

Das offiziell letzte Log stammt vom 5. Juni 1994[6]. Ab dem 6. Juni 1994 wurden nur noch Sendungen in englischer Sprache beobachtet, wobei die Nachrichten von E12 gleichzeitig umfangreicher und häufiger geworden sind. Allerdings gibt es noch ein unbestätigtes Log vom März 1997[7], wonach G12 an einem Donnerstagmorgen um 07:30 UTC auf 6765,0 kHz gehört wurde. Offiziell wurde dieses Log in DXer-Kreisen jedoch nie bestätigt, so dass von einer fehlerhaften E12-Sendung auszugehen ist, bei der mutmaßlich das falsche Sprachmodul der Senderautomation verwendet wurde.

Format

Sendeformat von G12 Siehe auch Format von Zahlensendungen
Ankündigungssignal Präambel Nachricht Ende der Übertragung
Buchstabe „N“ gemorst (− ·),
fünf Minuten wiederholt.
(h+00 - h+05)
Mit Message
    Einleitung Message Wiederholung Ende  
1. „Gruppe“ gg
„Gruppe“ gg
FFFFF „Ende!“


Die Kennung begann jeweils zur vollen Stunde mit einer fünfminütigen Dauerschleife des gemorsten Buchstaben „N“ (− ·). Danach erfolgt unmittelbar die Gruppenzahlangabe, die zweimal gesendet wurde. Ohne weitere Signalwörter begann dann direkt die Botschaft aus fünfer Zahlengruppen, die zweimal übermittelt wurden. Die Sendung schloss mit dem Signalwort „Ende!“.

Eine Agenten-ID wurde nicht gesendet. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die erste Gruppe grundsätzlich den Empfänger bezeichnete. Hier mag die Verschleierung ähnlich G03 und G08 funktioniert haben: Die erste Gruppe des One-Time-Pad stellte die Agenten-ID dar. Doch dies ist nur eine Vermutung und nicht belegt, da keine dahingehenden Chroniken von G12 und seinen Geschwistern zugänglich sind.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass von G12 oder seinen Sprachgeschwistern sogenannte „NULL-Messages“ ausgestrahlt wurden.

Sprache und Stimme

Die Übermittlung erfolgte bei G12 und seinen Geschwisterstationen schon von Anfang an automatisiert. Welche Technik dabei zum Einsatz kam ist unbekannt. Es ist aber von ähnlichen Gerätschaften auszugehen, wie sie bei den ehemaligen DDR-Zahlensendern eingesetzt wurden (siehe dazu auch Magdeburg Annie). Demnach dürfte es sich zuerst um analoge Automation gehandelt haben, später sehr wahrscheinlich digitale.

Die Stimmen, es kamen insgesamt vier verschiedene zum Einsatz, waren allesamt gut verständlich, da sie eher obertonreich waren, ohne dabei schrill zu sein. Bis etwa 1980 gab es eine erste Stimme, die seit Beginn der Sendungen von G12 im Einsatz war. Danach wurden bis Dezember 1988 zwei weitere Stimmen verwendet, bei denen die Tonhöhe ungewöhnlich hoch war, möglicherweise mechanisch gepitcht. Die Aussprache war schnell, etwas gepresst wirkend und dabei staccatoartig. Im Dezember 1988 könnte es dann zu einer Umstellung auf digitale Samples gekommen sein (siehe Sprach-Morse-Generator), denn von da an war die Stimmlage tiefer und die Aussprache deutlich langsamer, getragener. Einige Zahlensenderbeobachter prägten Begriffe wie „lazy“ (faul) oder „boring“ (langweilig, gelangweilt).

Erwähnenswert ist, dass für alle Sprachgeschwister immer die gleiche Sprechstimme verwendet wurde. Offenbar ließ man sowohl die analogen wie auch die digitalen "Samples" für alle Sprachen jeweils von nur einer Frau einsprechen.

Die Aussprache der Zahlen bei G12 war recht eigen und entsprach nicht der typischen deutschen Version der Zahlen. Zahlensenderbeobachter aus Großbritannien und den Niederlanden berichteten von Zahlen in „Yiddish“. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Aufstellung der Zahlen im Jiddischen und darunter das von verschiedenen Zahlensenderbeobachtern gehörte:

Jiddische Zahlen ins Lateinische transkribiert[8]
1 2 3 4 5 6 7 8 9 0
ejnß zwej draj fir finf sekß sibn acht najn nul
Transkription der bei G12 gehörten Zahlen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 0
„Eyns“ „Zwo!“ „Drey“ „Viehr“ „Fünneff“ „Sächs“ „Sieb'n“ „Achcht“ „Neun“ „Serro“

Bemerkenswert sind die Zahlen 1, 3 und 7, die typisch Jiddisch gesprochen wurden, mit Ausnahme der ersten und dritten Stimme (klassisch Drei). Die Zahlen 5 und 0 wurden dagegen zur Funkübertragung angepasst, ebenso die 2, aus der eine kurze Zwo geworden war. Das ch bei der Zahl 8 war auffällig stark betont. Im Gegensatz zu anderen deutschsprachigen Zahlensendern wurde die Zahl 9 ohne zusätzliche Silbe (neuen) ausgesprochen.

Etwa ab 1986 wurden die Zahlen dann mit weniger jiddischem Einfluss vorgetragen, auch wenn die Zahl 3 in der Version ab Dezember 1988 wieder „Drey“ ausgesprochen wurde.

Sendeplan

G12 nutzte semifeste Sendepläne, bei denen sich die Frequenzen änderten, nicht aber die Uhrzeiten, die bei UTC blieben. Es erfolgte keine Anpassung an Sommer- und Winterzeiten, wie beispielsweise bei G03. Gesendet wurde auf Frequenzen zwischen 4 und etwas über 8 MHz. Es gibt lediglich eine dokumentierte Sendung oberhalb dieses Bereichs auf 11101,0 kHz[9].

Zum Vergleich folgt zunächst ein Frequenzplan aus dem Jahr 1991, der auf der Internetseite von priyom.org hinterlegt ist:

Uhrzeit (UTC) Frequenzen (kHz)
0500 4021,0
1800 5880,0
2000 4054,0 4545,0 5425,0 6765,0
2100 4021,0 4054,0 4545,0 4925,0 5177,0
2200 4021,0 4545,0

Leider nennt dieser Plan keine Wochentage. Die Frequenzen werden durch Simon Mason in seinem Buch „SECRET SIGNALS – The Euronumbers Mystery“[10] bestätigt. Allerdings nennt Simon Mason dazu eplizit vier Slots an den Wochenenden[10]:

Wochentag Uhrzeit (utc) Frequenz(en) (kHz)
Samstag 2000 5425,0 & 6765,0
Samstag 2100 4925,0
Sonntag 2000 5425,0 & 6765,0
Sonntag 2100 4925,0

Der Inhalt aller dieser Sendungen war laut Simon Mason gleich, er geht aber nicht weiter auf Details ein.

Zum Vergleich dagegen der letzte belegte Sendeplan vom Januar 1994[11]:

Wochentag Uhrzeit (utc) Frequenz (kHz)
Mittwoch 2100 5177,0
Donnerstag 2000 4024,0
Freitag 2100 4644,0

Einige der Nachrichten wurden wiederholt, manche davon bis zu fünf Mal. Offenbar wollte man seitens des Betreibers sicherstellen, dass die Nachricht beim Agenten angekommen war und setzt die Ausstrahlung erst mit Eingang einer Besätigung ab.

Anomalien

Es liegen derzeit (Stand Augut 2018) keine Berichte über Anomalien vor. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass es bei G12 durchaus das eine oder andere technische Problem gegeben hat.

Bekannt ist lediglich, dass immer wieder Sendungen beobachtet wurden, bei denen die Modulation nicht sauber oder die NF-Filter zu weit geschlossen waren. Dies führte gerade bei hohem Grundrauschen oder Interferenzen zu Problemen bei der Verständlichkeit der Zahlen.

Störungen und Interferenzen

Bei der Betrachtung der Frequenzen von G12 fällt auf, dass sich das HNaA weit von den Rundfunkbereichen der Kurzwelle entfernt aufgehalten hat - Ausnahme 4925,0 kHz im 60-Meter-Band. Es kam daher nicht zu Interferenzen mit Rundfunksendern, zumindest sind keine mehr überliefert (Stand Augut 2018). Einzig mit anderen Utility-Diensten muss es in den Jahren der Aktivität von G12 vereinzelt zu gegenseitigen Störungen gekommen sein. In einigen der nachfolgenden Tondokumente sind diese Interferenzen zu hören.

Tondokumente


G12 (AUT) = "N N N", Gruppe 40, 34789..., Aufnahme von 1980 by Karl-Heinz Ruehl, Frequenz, Datum und Zeit unbekannt. In diesem Beispiel sind die Interferenzen mit anderen Utility-Stationen relativ gut zu hören. Erste Stimmvariante mit jiddischem Einschlag.


G12 (AUT) = "N N N", Gruppe 21, 30248..., Aufnahme von 1984 by Simon Mason, Frequenz, Datum und Zeit unbekannt. Aufnahme ohne Interferenzen. Erste Stimmvariante mit deutlichem Jiddisch.


G12 (AUT) = "N N N", Gruppe 24, 63867..., Aufnahme von Christian Spremberg (via Simon Mason), Frequenz, Datum und Zeit unbekannt, jedoch nach 1984. Auf der Hälfte der Aufnahme wurden die Zahlen 1-0 zusammengeschnitten und das Ankündigungssignal nochmals eingespielt. Zweite Stimmvariante, Österreichisch mit leichter Akzentuierung.


G12 (AUT) = "N N N", Gruppe 40, 34789..., Aufnahme von Christian Spremberg (via Simon Mason), Frequenz, Datum und Zeit unbekannt, jedoch um 1986 oder 1987. Stimme sehr träge und langsam in der Aussprache, dritte Stimmvariante, Sprache eindeutig Österreichisch (Niederösterreich, NÖ?).


G12 (AUT) = "N N N", Gruppe 21, 30248..., Aufnahme von Simon Mason, Frequenz, Datum und Zeit unbekannt. Eher abgehackte Sprechweise, möglicherweise zu scharfer AGC, gesampelte Ziffern. Sprache eindeutig Österreichisch (NÖ?).

Einzelnachweise

Weitere Quellen

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