Zahlensender

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Deutschsprachig:
G01G02G03G04G05G06G07G08G09G10G11G12G13
Morsesignale:
M12

Der Begriff Zahlensender umfasst im Allgemeinen Kurzwellenstationen, die verschlüsselte Nachrichten an einen oder mehrere Empfänger, meistens in Form von Zahlenkolonnen, übermitteln. Dabei erfolgt die Übertragung mehrheitlich per Sprache, doch kommen ebenso Morsetelegrafie, Polytonsignale und seit einigen Jahren auch moderne Datenübertragungsverfahren zum Einsatz. Meistens erfolgt die Übertragung in Form von fünfstelligen Zahlen-, seltener Buchstabengruppen.

Zahlensender gehören zu den Mysterien der weltweiten Funkkommunikation, da sie bislang in nur wenigen Fällen offiziell als das bestätigt wurden, was sie sind: ein Führungsmittel der Nachrichten- und Geheimdienste, um die Agenten und Spione im Einsatz mit Nachrichten zu versorgen[1].

Im Laufe der Jahrzehnte wurden nach und nach immer mehr Informationen zu den Betreibern, dem Zweck der Sendungen sowie den Empfangsmöglichkeiten publik. Es folgten Nachforschungen und Klassifizierungen der bekannten Zahlensender durch ambitionierte Funkamateure weltweit.

Da Zahlensender je nach Senderstandort und Ausbreitungsbedingungen auf der ganzen Welt empfangen werden können, dienen sie nach wie vor zur Kommunikation über weite Strecken und dem Transport verschlüsselter Nachrichten.

Der Allgemeinheit ist nur selten Näheres zu Übertragungstechniken, Hintergründen und dem Ausmaß der Zahlensendernutzung bekannt. Zusammenhänge zu Spionagetätigkeiten von Auslandsgeheimdiensten und ähnlichen Einsatzgebieten der verschlüsselten Nachrichtenübertragung werden von bis dato nicht speziell an diesem Thema interessierten Menschen kaum hergestellt. Gleiches gilt für die Bedeutung der Zahlensender bezüglich der politischen Kommunikationswege. Bis heute sind Zahlenkolonnen zu hören, so dass die Übertragung geheimer Botschaften an Agenten und Spione nicht etwa der Vergangenheit angehört, auch wenn viele Zahlensender mit dem Ende des Kalten Krieges ihre Übertragungen eingestellt haben.

Der folgende Artikel sowie die weiterführenden Einträge beruhen auf den Beobachtungen, Recherchen, Schlussfolgerungen und Erkenntnissen ambitionierter Kurzwellenhörer weltweit und befassen sich mit den wichtigsten Fragen und Details zum Thema Zahlensender.

Geschichte

Die Geschichte der Zahlensender reicht bis in die Anfänge der Funktechnik zurück. Im Ersten Weltkrieg sollen sie bereits zum Einsatz gekommen sein, um Agenten und Störtrupps hinter den feindlichen Linien zu instruieren[2][3]. Sie gehören damit neben dem Rundfunk zu den ältesten Radioübertragungen überhaupt. Als erster Beobachter der Zahlensender gilt Anton Habsburg-Lothringen, Erzherzog von Österreich, der sich für das neue Medium Radio begeisterte[4]. Als Schüler soll er sich eine Empfangsstation eingerichtet haben, mit der er auch Zahlensendungen aus Moskau, Paris und Cotona (Italien) empfing. Er schrieb diese auf (angeblich gute 30 Seiten pro Tag) und gab sie auf dem Heimweg von der Schule in einem Militärbüro ab. Als Angehöriger des österreichischen Adels gab es entsprechende Verbindungen zwischen dem Elternhaus und dem Chiffrenbüro der Streitkräfte Österreichs.

Einführung der Fünfergruppen

In den frühen Jahren waren die verschlüsselten Nachrichten noch anders aufgebaut, als sie es heute bei Zahlensendern sind. Nach einem unbestätigten Bericht des Time Magazine aus den 1960er Jahren etablierten sich die fünfstelligen Codegruppen, wie sie auch heute noch verwendet werden, erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem damaligen Beginn des Kalten Krieges bestand offenbar das Bedürfnis, die Nachrichten an Agenten und Spione an das Format von regulären Wettercodes anzupassen, um so eine Entdeckung der Sendungen zu erschweren.

Beginn der Sprachübertragungen

Zunächst wurden diese frühen Zahlensendungen noch per Morsecode übertragen, von Hand mit der Morsetaste gegeben. Mit weiteren Verbesserungen der Sender- und Empfangstechnik erfolgten in den Nachkriegsjahren die ersten Sprachübertragungen. Waren für die Morsesendungen unter Umständen noch spezielle Kurzwellenempfänger notwendig, genügten für die Sprachübertragungen in Amplitudenmodulation (AM oder A3E) schon die einfachen „Dampfradios“, wie sie seinerzeit in vielen Haushalten zu finden waren. Ein Spion konnte also nicht mehr, oder nur sehr schwer, anhand seines Empfangsgeräts „enttarnt“ werden.

Seit den 1950er Jahren füllten sich die Kurzwellen mit Zahlensendern aus aller Welt. Zunächst waren es die Supermächte USA und Russland, die ihre verschlüsselten Botschaften in den Äther schickten. Später kamen auch die beiden deutschen Staaten hinzu. Auf Seiten der DDR existierten bis zum Fall der Mauer zwei Zahlensender (heute als G03 und G08 bezeichnet), die vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS / Stasi) und dem Militärnachrichtendienst der Nationalen Volksarmee (NVA) betrieben wurden. In den USA zeichnete die Central Intelligence Agency (CIA) für Zahlensendungen verantwortlich, in der Sowjetunion betrieben sowohl KGB als auch der Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU - Nachrichtendienst der Roten Armee) Zahlensender. Dabei sind die ehemals sowjetischen, heute russischen, Zahlensender nach wie vor aktiv.

Zahlensender gab es in sehr vielen unterschiedlichen Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch, Spanisch, Chinesisch bzw. Mandarin und in einem dokumentierten Fall Französisch. Neben Zahlengruppen wurden von manchen Sendern auch phonetisierte Buchstabengruppen übermittelt.

Zweck

Mitschrift einer Zahlensendung aus dem privaten Archiv von tiNG. Mitschrift vom 21.3.1986, 0900 utc, QRG: 6453,0 kHz, G08 (MfS-Stasi)

Zahlensender werden überwiegend von Geheim- bzw. Nachrichtendiensten genutzt. Daneben gibt es aber auch militärische Anwendungen, die auf Zahlencodes zurückgreifen. Trotz ähnlichem Erscheinungsbild sind Zahlensender nicht mit Wettersendungen nach international vereinbarten Schlüsseln zu verwechseln. Diese meteorologischen Daten werden mit fünfstelligen Zahlengruppen zur schnellen und standardisierten Übertragung zwischen Wetterdiensten untereinander oder auch zur Erstellung von Wetterkarten („by hand“) an Schiffe in See übermittelt. Solche Wettercodes können mit Hilfe von Publikationen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) oder entsprechenden Fachbüchern „entschlüsselt“ werden.

Unknackbare Codes

Anders dagegen die „Fünfergruppen“ der Zahlensender: Sie werden mit einmalig gültigen Schlüsseln erstellt, die danach vernichtet werden. Und selbst der mit diesen sogenannten One-Time-Pad (OTP) zu verschlüsselnde Text ist schon einmal kryptiert worden. Zahlensender gelten daher als unknackbar und zählen zu den besten Schlüsselverfahren der Welt.

Robert Wallace und H. Keith Melton belegen auf Seite 438 in ihrem 2008 erschienenen Buch Spycraft, dass Zahlensender tatsächlich für Spionage- und Agententätigkeiten bzw. deren Koordination genutzt werden[5]:

The one-way voice link (OWVL) described a covert communications system that transmitted messages to an agent's unmodified shortwave radio using the high-frequency shortwave bands between 3 and 30 MHz at a predetermined time, date, and frequency contained in their communications plan. The transmissions were contained in a series of repeated random number sequences and could only be deciphered using the agent's one-time pad. If proper tradecraft was practiced and instructions were precisely followed, an OWVL transmission was considered unbreakable. [...] As long as the agent's cover could justify possessing a shortwave radio and he was not under technical surveillance, high-frequency OWVL was a secure and preferred system for the CIA during the Cold War.

Der einseitige Sprechfunkdienst (freie Übersetzung) wird als ein System beschrieben, mit dem Nachrichten an einen Agenten geschickt wurden, die dieser mit einem handelsüblichen Kurzwellenempfänger empfangen konnte. Dazu wurden die Kurzwellenfrequenzen zwischen 3 und 30 MHz genutzt. Die Sendungen fanden zu vordefinierten Zeiten und Tagen auf bestimmten Frequenzen statt, die in einem Sendeplan festgelegt waren. Die Sendungen selbst bestanden aus augenscheinlich zufälligen Zahlenreihen, die vom Empfänger nur mit Hilfe eines sogenannten One-Time-Pads entschlüsselt werden konnten, dass nur er und der Aufgeber besaßen. Sofern alle notwendigen Sicherheitsvorschriften beachtet wurden war dieser Code unknackbar. [...] Solange der Agent unentdeckt blieb und nicht technisch überwacht wurde war der einseitige Sprechfunkdienst (freie Übersetzung) ein sicheres und bewährtes System für die CIA während des kalten Krieges.

Ähnliche Begriffe tauchen auch in verschiedenen Dokumentationen (Rundfunk, TV) auf. So sprach man in den Kreisen der Verantwortlichen bei der „Stasi“ vom sogenannten „A3-Funkdienst“, der auf die Bezeichnung der verwendeten Modulationsart (A3E) zurückzuführen ist. Eine andere Bezeichnung war „Führungsfunk“, hergeleitet von „Führung der Agenten per Funkübertragung“. Dabei arbeiten die Zahlensender nach dem sogenannten Broadcast-Verfahren: Die Nachrichten werden „blind“ ausgestrahlt, der Empfänger muss (und kann) den Erhalt nicht unmittelbar quittieren, wodurch dessen Anonymität gewahrt bleibt.

Breites Einsatzspektrum

Neueren Erkenntnissen der letzten beiden Jahrzehnte zufolge werden auf russischer Seite die Zahlenbotschaften nicht ausschließlich für Spione und Agenten eingesetzt, sondern auch für den diplomatischen Funkverkehr. Hinweise hierzu lieferten Presseberichte über die engen Verflechtungen von russischen Diplomaten mit dem KGB bzw. dessen Nachfolger SVR, der auch heute noch Zahlenbotschaften ausstrahlt. Weitere Anhaltspunkte dazu bieten auch die oftmals massiven, „potenten Antennenparks“ auf den Dächern von Botschaften und Konsulaten[6]. Und unter den Gesichtspunkten der von Edward Snowden veröffentlichten Dokumente wird ersichtlich, dass es auch bei anderen Geheimdiensten wie NSA oder GCHQ zu ähnlich schwindenden Abgrenzungen zwischen Diplomaten und Spionen kommt.

Betreiber

Inzwischen ist die Bedeutung von Zahlensendern in einigen Fällen verifiziert worden. Hauptsächlich gehen diese Erkenntnisse auf Bestreben der Mitglieder von PRIOYM.ORG zurück. So bestätigte beispielsweise das tschechische Innenministerium, dass es Urheber der Zahlensendungen von S05/OLX war[7]. In einer Email an Priyom-Mitglied „TotoCZ“ heißt es, es handelte sich bei S05 um eine Kurzwellensendung in fremde Länder, die vom Amt für auswärtige Beziehungen und Information geführt wurden. Hieraus lässt sich die bereits erwähnte Verbindung zwischen Diplomaten und Nachrichtendienst nochmals ableiten.

Die Rolle der Geheimdienste

Nach weiterem Emailverkehr, unter anderem mit dem Archiv des tschechischen Sicherheitsdienstes, konnte ein weiteres Dokument veröffentlicht werden, das ehemals als TOP SECRET eingestuft war. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs und der Demokratisierung der ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten konnte das Dokument bei Priyom veröffentlicht werden. Darin wird ein Sprachsynthesizer namens BRIGITA beleuchtet, bei dem es offenbar Probleme mit der Verständlichkeit gibt. Da in diesem Dokument auch ein „DDR-Hersteller“ erwähnt wird ist davon auszugehen, dass es sich um den sogenannten Sprach-Morse-Generator handelt, möglicherweise in einer abgewandelten oder angepassten Form[8].

In einer Pressemitteilung vom 23.01.2015 erklärt die schwedische Spionageabwehr der „Säkerhetspolisen“, wie sie den tschechoslowakischen Geheimdienst über mehrere Jahre narrte, nachdem dieser einen schwedischen Soldaten anwerben wollte. Der Soldat meldete den Anwerbeversuch und ließ sich durch die Säkerhetspolisen dazu überreden, zum Schein auf die Anwerbung einzugehen. Der Mann ging auf das offenbar von Moskau aus über Prag gesteuerte Spielchen ein und fing etliche Zahlenbotschaften von S10 ab[9][10]. Als Beispiel veröffentlichte die SäPo den folgenden Mitschnitt von S10:

In den Ausgaben 190 und 200 von Numbers & Oddities berichtet OM Ary Boender von Dokumenten aus einem Archiv des Instytut Pamięci Narodowej (Institut für Nationales Andenken) in Warschau. Diese Dokumente belegen eindeutig den Gebrauch von Zahlensendern zur Versorgung von Spionen mit Nachrichten in „feindlichem Gebiet“. Darin wird, wie sich durch Vergleiche mit Frequenzlisten ergab, ganz klar von G02 berichtet, sowie darüber, wie die Führung von Agenten vonstatten ging[11][12].

Einen weiteren Beweis für Nachrichtendienste als Betreiber der Zahlensender sehen die weltweit organisierten Beobachter darin, dass Zahlensender bei größeren und gravierenden politischen Ereignissen häufig ihr Verhalten kurzfristig ändern. Die Anzahl der Sendungen nimmt plötzlich zu, die Nachrichten selbst werden umfangreicher oder Sendungen werden mehrfach wiederholt. Dies konnte beispielsweise beim Augustputsch in Moskau im August 1991 beobachtet werden. Ähnliche Beobachtungen wurden im Vorfeld der Krimkrise von 2014 gemacht, als russische Zahlensender plötzlich häufiger als üblich zu hören waren.

Unabhängig vom Betreiber handelt es sich bei Zahlensendungen um eine verhältnismäßig sichere Methode, Spione bzw. Agenten mit Befehlen und Informationen zu versorgen.

Zuordnung

Im Rahmen weiterer Recherchen durch Mitglieder von UTDX.DE, unter anderem bei „radioscanner.ru“, konnten einige Zahlensender einzelnen Behörden, Organisationen bzw. Nachrichtendiensten zugeordnet werden. So gilt es als sicher, dass die Zahlensender der sogenannten „Familie Ia“ (G06, E06, S06, V06 und V23) zum russischen GRU gehören, wogegen „Familie Ib“ (mit den Sendern E07, V07 sowie M12 und XPA/2) vom russischen Nachrichtendienst SVR betrieben wird.

Inzwischen ist auch sicher, dass der Sender S06s nicht von Russland betrieben wird sondern dem ukrainischen Nachrichtendienst SZRU zugerechnet werden muss.

Auch zur sogenannten „Familie III“ gibt es inzwischen neue Erkenntnisse: Die Sender E11/a, G11 (derzeit inaktiv), S11/a und M03 werden demnach vom polnischen Militärnachrichtendienst SWW betrieben.

Weitere Bestätigungen

Um Zahlensender mit zu schreiben reichen einfache Mittel

In mehreren Fällen wurden kubanische Spione in den USA enttarnt und verhaftet. Darunter waren die sogenannten Cuban Five (bekanntgeworden als ¡Atención!-Zwischenfall), Professor Carlos Manuel Alvarez und seine Frau Elsa sowie Ana Belén Montes. In allen Fällen berichteten die amerikanischen Ermittlungsbehörden von „Aufträgen, die per Kurzwelle aus Kuba übermittelt wurden“. Den Behörden zufolge sollen entsprechende Gerätschaften und Dokumente sichergestellt worden sein.

Bei der Verhaftung der Eheleute Heidrun und Andreas Anschlag in Marburg (Oktober 2011) wurden die beiden mutmaßlichen russischen Agenten bei der Aufzeichnung bzw. Decodierung von Zahlensendungen, die über die Sender XPA1 und XPA2 sowie M12 ausgestrahlt wurden, in flagranti erwischt. Dabei wurden unter anderem ein Decoder für die Sendungen von XPA1 und XPA2 und ein Morsedecoder (für M12) durch Beamte der GSG9 sichergestellt.

In einem 1998 erschienenen Artikel des Daily Telegraph wird ein Sprecher des britischen Wirtschaftsministeriums, das seinerzeit für die Regulierung von Funk- und Telekommunikation verantwortlich war, zitiert:

"These [numbers stations] are what you suppose they are. People shouldn't be mystified by them. They are not for, shall we say, public consumption."[13]

Übersetzung:

„Diese [Zahlensender] sind, wie Sie annehmen, was sie sind. Hörer sollten sich nicht von ihnen verwirren lassen. Sie sind nicht für, sagen wir, öffentliche Ohren bestimmt.“

In einem Dossier des polnischen Innenministeriums aus der Zeit des Kalten Krieges wird bestätigt, dass die Sender DFC37 (3370,0 kHz) und DFD21 (4010 kHz), G14, aus Westdeutschland gesendet wurden und deren Betrieb bereits in den frühen 1950er-Jahren begann[14]. Beide Stationen sendeten bis weit in die 1990er-Jahre, also über das „offizielle Ende“ des Kalten Krieges hinaus.

Das lettische Nationalarchiv begann 2019 mit der Digitalisierung zahlreicher Akten aus Sowjetzeiten der Jahre 1960 bis 1991. Darunter befanden sich ebenso Dokumente, die den Gebrauch der Zahlensender als nachrichtendienstliche Aktivitäten belegen[15]. Etliche Dokumente beweisen unter anderem die Überwachung der Sender G05[16] und G16 durch den KGB. Zudem machen sie deutlich, wen der sowjetische Geheimdienst hinter den beiden Zahlensendern nachwies: die CIA und den Bundesnachrichtendienst. In diesen Akten ist minutiös belegt, wie die Lauscher des KGB die Zahlensender mitgeplottet und tatsächlich auch in Verbindung mit als Spione verdächtige Personen gebracht haben.

Nutzung der Kurzwelle

Die Kurzwelle bietet mit ihren physikalischen Eigenschaften den idealen Verbreitungsweg für die Zahlenbotschaften der Nachrichtendienste an die Agenten. Schon mit kleinen Sendeleistungen lassen sich bei guten Ausbreitungsbedingungen weit entfernte Zielgebiete erreichen. Da Nachrichtendienste oftmals ein enorm großes Budget aus dem Haushalt des jeweiligen Landes zur Verfügung haben, kann die Kurzwelle mit dem Broadcast-Verfahren effektiv genutzt werden.

Zwar lassen sich die Sender, von denen die Zahlenbotschaften ausgestrahlt werden, anpeilen - die Empfänger bleiben jedoch anonym. Ein handelsübliches Kofferradio reicht zumeist für den Empfang der mit großer Leistung abgestrahlten Botschaften aus und ist relativ unauffällig. Anders als bei der Verbreitung von Informationen via Internet bleiben die Empfänger unentdeckt – nicht einmal das Land, in dem sich der Agent aufhält, kann bei der Verbreitung von Zahlensendungen über Kurzwelle ermittelt werden.

Programmzeiten

Zum Empfang der Nachrichten gelten für jeden einzelnen Agenten wie auch für Empfängergruppen bestimmte sogenannte „Programmzeiten“. Bereits mit dem ersten Auftrag, quasi dem Marschbefehl, werden Frequenzen und Uhrzeiten angegeben, zu denen Nachrichten an den Agenten im Zielgebiet gesendet werden[17]. Bei der Annahme von Tarnidentitäten zur Ausübung der Spionagetätigkeit steigen viele Spione in ein neues Berufsleben ein. Dabei kann es passieren, dass einmal vereinbarte Programmzeiten „berufsbedingt“ von Seiten des Agenten nicht mehr eingehalten werden können. Der Zahlensender nutzt dann, nach Eingang einer entsprechenden Meldung, eine andere Frequenz zu einer anderen, passenden, Zeit, um die Nachrichtenübermittlung sicherzustellen.

Senderstandorte

Da die meisten Zahlensender (noch) nie offiziell von den Betreibern bestätigt wurden (Stand April 2018 - einzige Ausnahme: OLX mit seiner QSL-Karte) und somit die Urheber nicht „bewiesen“ sind, haben Kurzwellenhörer auf der ganzen Welt Versuche unternommen, die Senderstandorte durch Peilungen und Triangulationen herauszufinden.

Verschiedene Artikel im Fachmagazin Popular Communications aus den späten 1980er und frühen 1990er Jahren berichten über Peilversuche von Funkamateuren und Kurzwellenhörern in verschiedenen Teilen der Welt. So konnten zwei Stationen auf amerikanischem Boden nachgewiesen werden - in Florida und in der Nähe von Warrenton, Virginia.[18] Später konnte eine Antennenanlage innerhalb einer Kaserne, dem Warrenton Training Center, als tatsächlicher Urheber ausgemacht werden. Es wurde spekuliert, dass die Sendungen zwar dort ausgestrahlt aber nicht aufbereitet wurden. Dies soll, so einige der „Jäger“, über eine Speiseleitung aus Washington D.C. geschehen. Die amerikanische Fernmeldebehöre FCC hat bisher jeglichen Kommentar zu Zahlensendungen und möglichen in Frage kommenden Sendestellen auf amerikanischem Boden verweigert.

In der Ausgabe von 1989 der „Spezial Frequenzliste“ des Siebel Verlages werden die beiden Frequenzen von G14 (3370,0 und 4010,0 kHz) mit dem Eintrag DBP Bonames gelistet. Tatsächlich gab es in diesem Stadtteil von Frankfurt einen Kurzwellensender, der vorrangig für den kommerziellen Nachrichtenverkehr nach Nordamerika eingesetzt wurde. Ein weiterer Hinweis auf Zahlensendungen aus Bonames findet sich in einem Hörer-Log der Zeitschrift Weltweit Hören von 1976[19]:

3365X 1723-1728 AIR Delhi IND 322 Indian folk mx, QRM counting spy (is a weather service at Frankfurt-Bonames, ed.) 27.12. MB

Durch den bearbeitenden Redakteur wird dies jedoch als Wetterfunk angemerkt.

Übertragungstechnik

Um den Eigenarten der Kurzwelle entsprechend begegnen zu können, dürften die meisten Zahlensender mit leistungsstarken Sendern betrieben werden. Die effektive Sendeleistung wird von vielen Beobachtern auf etwa zehn bis 100 Kilowatt geschätzt. Diese Werte sind nicht belegt sondern fußen auf den Erfahrungen von Zahlensenderhörern, die selbst als Funkamateur tätig sind. Damit dürften die Zahlensender zu den stärksten im Kreis der Utility-Dienste zählen. Zum Vergleich: Die Küstenfunkstelle Vardø Radio gibt auf einer QSL-Karte die Sendeleistung für 2187,5 kHz (DSC) mit lediglich 500 Watt an.

Während des Kalten Krieges gab es mehrere Hinweise, dass die UdSSR 500-kW-Sendeanlagen östlich des Urals verwendete, um Agenten in Westeuropa, Nordafrika und womöglich in Nordamerika zu erreichen. Viele Funkamateure haben durch Peilung in besagten Erdteilen vermutete sowjetische Zahlensender in den Osten des Uralgebirges zurückverfolgen können. In Teilen der technischen Literatur der UdSSR wird darauf verwiesen, dass sowjetische Funktechniker gegen Ende der 1960er Jahre auf dem Gebiet der HRS-8/8/1-Direkthochfrequenzantennen Pionierarbeit geleistet haben. So ist es denkbar, dass die Senderstärken in den 1980er Jahren niedriger lagen (um die 100 kW). Ein definitiver Beweis ist nicht möglich, da exakte Antennendaten nicht bekannt sind.

Amplitudenmodulierte Sender mit variablen Frequenzen der Leistungsklasse C sind die Arbeitstiere in der Welt der Kurzwellenübertragung, somit wohl auch der Zahlensender. Spektralanalysen zeigten auch, dass Zahlensender versteckt Data-bursts, RTTY-modulierte Informationsträger und andere, unübliche Übertragungsmittel wie polyphone Töne verwenden[20]. Während des Kalten Krieges wurden als Beispiel per RTTY in kommerziellen US-Radiosendungen Nachrichten verschickt.[21] Da allgemein bei Rundfunksendern auf Kurzwelle vermehrt über eine sogenannte „zweite Ebene“ hinter den gesprochenen Nachrichten berichtet wird (RTTY, Data-burst, usw.), vermutet man, dass mit Hilfe solcher Übertragung parallel mehrere Empfänger, vielleicht sogar mehrere Operationen mit Informationen versorgt wurden.[22]

Der Einseitige Sprechfunkdienst

Für Spione „hinter feindlichen Linien“ sind die gesprochenen Übertragungen nach wie das am besten geeignete Mittel, da es einfacher und unauffälliger ist, ein Kurzwellenradio mit sich zu führen, als hochtechnische Ausrüstung zur Auswertung komplexer Datenpakete. Diplomatische Vertretungen (Botschaften oder Konsulate), Flugzeuge und Schiffe haben dagegen bekanntlich sehr komplexe und effiziente Ausrüstungen an Bord, um solche Datenpakete aus der Heimat empfangen und auswerten zu können. In diesen Paketen können sich aus der technischen Möglichkeit heraus Fotos, Dokumente und andere komplexe Berichte befinden (siehe Steganographie sowie „Verdeckter Kanal“). Bekannt ist unter anderem, dass bereits Ende der 1970er Jahre in modifizierten Sony Empfängern mit LC-Anzeigen die empfangenen digital gesendeten Nachrichten angezeigt wurden. Dank moderner IT lassen sich solche Nachrichten mittlerweile per handelsüblichem Weltempfänger auch auf einem Smartphone darstellen. Die Übertragung vom Lautsprecher des Radios über das Mikrofon des Smartphones ist ausreichend für eine sichere Dekodierung.

In aller Regel ist es heute gängige Praxis, dass „digitale Sprecher“ die Zahlenreihen „vorlesen“. Erste „automatische“ Sprecherinnen und Sprecher wurden mit mehrspuligen Bandmaschinen realisiert, ähnlich dem Prinzip des Mellotrons. Eine Sprecherin oder ein Sprecher besprach einzelne kurze Bänder, die mit hohen Geschwindigkeiten liefen, mit den jeweiligen Zahlen und Signalwörtern (z. B. „Achtung“ oder „Oblique“). Die hohe Aufnahme- bzw. Abspielgeschwindigkeit sorgte für eine bessere Sprachqualität, so dass die einzelnen Ziffern und Wörter auch bei schwierigen HF-Bedingungen gut verständlich blieben. Zum Abspielen kamen dann steuerbare Bandmaschinen mit mehr als zehn einzelnen Bandspulen zum Einsatz, die teilweise per Lochkarte oder Lochstreifen gesteuert werden konnten. Zum „Vorlesen“ der jeweils vorgegebenen Zahl spielte das jeweilige Band kurz ab, bevor unmittelbar das nächste Band die nächste Ziffer abspielte. Diese Technik war sehr aufwändig und bedurfte hochwertiger Spezialtonbänder, die den harten mechanischen Belastungen lange standhielten.

Mit der Einführung der integrierten Schaltungen auf kleinen Bauteilen wurde es schlussendlich möglich, Sprache digital aufzuzeichnen und entsprechend wieder abspielbar zu machen. Erste synthetische bzw. gesampelte Sprecherinnen oder Sprecher wurden erstmals Ende der 1970er Jahre geloggt. In den 1980er Jahren stellten dann fast alle Zahlensenderbetreiber auf „digitale Sprecher“ um. Heute sind fast gar keine live eingesprochenen Zahlen mehr aktiv – einzige Ausnahme ist E17z, wo ab und zu, bei Sendungen außer der Reihe, eine Live-Sprecherin eingesetzt wird.

Klassifizierung

Siehe auch: Klassifizierung von Zahlensendern für weiterführende Informationen.

Neben den vielen Spitznamen der Zahlensender-Jäger hat die ENIGMA-Gruppe ein eigenes Klassifikationssystem aufgestellt, um die einzelnen Zahlensender und ihre „Familien“ besser unterscheiden und damit beobachten zu können. Die Kennzeichnungen bestehen aus einem Buchstaben, der die Sprache oder die gesendeten Nachrichten kennzeichnet, sowie eine daran anschließende Ordnungsnummer.

Die Buchstaben bedeuten:

  • E - Station sendet in englischer Sprache.
  • G - die Station sendet in deutscher Sprache.
  • S - die Station sendet in einer slawischen Sprache.
  • V - die Station sendet in einer anderen Sprache (meist Spanisch oder Arabisch).
  • M - die Station sendet Morsecode.
  • X - die Station sendet etwas völlig anderes, z. B. polyphone Töne oder unidentifizierbare Geräusche und Tonfolgen.
  • F - die Station sendet in frequenzmoduliertem Funkfernschreiben (RTTY), mehrheitlich sind dies Aussendungen in ITA-2
  • P - die Station sendet in phasenmoduliertem Funkfernschreiben (PSK)
  • T - die Station sendet in einer bislang unbekannten Sprache (wurde nur äußerst selten verwendet)

Beispiele: E-Null-drei oder E03 ist der „Lincolnshire Poacher“, V02 ist der kubanische „¡Atención!“, G12 war der österreichische Zahlensender „N N N“. Die „neueste“ Station ist der unidentifizierte Sender E27, welcher Ende 2006 und Anfang 2007 zu empfangen war.

Manche Stationen werden auch nachträglich als kein Zahlensender identifiziert. So geschehen bei E22, welcher zu jeder vollen Stunde alle vier Minuten „This is Mike Hotel 8“ übertragen hat. Wie sich herausstellte, handelt es sich hierbei um eine Testübertragung des indischen Rundfunksenders All India Radio.

Mögliche Neufassung

Die Klassifizierung durch die ENIGMA- / ENIGMA2000-Gruppe ist bereits sehr präzise. Aber es gibt einige logische Fehler in dieser Systematik. So ist beispielsweise nicht definiert, welche Art der "Variation" eine Ergänzung um einen bestimmten Buchstaben (Suffix) notwendig macht. Stellvertretend sei hier E11 erwähnt:

Bei einer Null-Message wird die Station als E11 bezeichnet
Wird eine Nachricht übermittelt ist die Station als E11a zu kennzeichnen

Im Gegensatz dazu liegt der Unterschied zwischen S11 und S11a bereits in einer sprachlichen Änderung (Cherta (S11a) statt Presta (S11)).

Außerdem lässt das aktuelle Nomenklatur-System nur Deutsch (G), Englisch (E) und Slawisch (S) als direkte Sprachidentifikation zu. Spanisch, Französisch oder gar Chinesisch werden unter V zusammengefasst. Es kann also weder nach einer der drei genannten Sprachen noch nach Koreanisch, Portugiesisch oder Italienisch und anderen Sprachen klassifiziert werden.

Formate

Siehe auch: Format von Zahlensendungen für weiterführende Informationen.

Zahlensender übertragen je nach Station in einem unterschiedlichen Format. Darunter ist die logische- und chronologische Aufbereitung einer jeweiligen Sendung zu verstehen. Sie umfasst die Anteile Ankündigung, Präambel, Nachricht und Ende. Viele Zahlensender verzichten inzwischen jedoch auf eine Ankündigung.

Die Ankündigung war zumeist ein akustisches Signal in Form von Musik oder Tonfolgen. Sie diente in Zeiten von analogen Empfängern mit Skalenanzeige dem Auffinden der aktuell verwendeten Sendefrequenz. Manche der Zahlensender wurden anhand der charakteristischen Ankündigung mit einem Alias versehen (z. B. Swedish Rhapsody oder The Gong Station"). Bei den heute verfügbaren portablen Empfängern (Weltempfänger) hat die Digitalanzeige die analogen Skalen verdrängt. Dies macht die Ankündigung überflüssig.

Die Präambel, welche ebenso ausschlaggebend für den Spitznamen der Station ist, beinhaltet eine Art Identifizierung, entweder für sich selbst oder für den Empfänger. Das können Zahlen sein, phonetisches Alphabet, Codenamen (z.B. „Charlie India Oscar“, „250 250 250“) oder charakteristische Phrasen (z.B. „¡Atención!“, „1234567890“). Manchmal, wie im Falle der israelischen „Phonetic Alphabet Stations“ (E10), wird in der Präambel ein Betreff oder der Grad der Wichtigkeit der Nachricht angedeutet (erdachtes fiktives Beispiel: „Charlie Kilo Zulu-2“ bedeutet, dass keine neuen Nachrichten vorliegen). Meist wird ein solcher „Vorspann“ einige Zeit wiederholt, bevor die eigentliche Nachricht folgt.

Für gewöhnlich wird die Anzahl der zur Übermittlung anstgehenden Zeichengruppen bekanntgegeben. Bei fast allen bekannten Zahlensendern bestehen diese Gruppen aus Fünferketten (phonetisch ausgesprochen), die oft wiederholt werden; entweder unmittelbar nach der jeweiligen Gruppe oder insgesamt nach dem Ende der gesamten Nachricht.

Einige Stationen senden mehr als eine Mitteilung pro Übertragung. In diesem Fall wird der gesamte Prozess so oft wiederholt, bis alle Mitteilungen übertragen wurden.

Am Ende jeder Übertragung meldet sich die Station auf eine charakteristische Art und Weise ab. Gewöhnlich wird eine Form des Wortes „Ende“ gewählt, passend zu der jeweiligen Sprache, in der gesendet wurde (z. B. „End of message, End of transmission“, „Ende“, „fini“, „final“, „konec“). Manche Stationen, speziell jene aus der früheren Sowjetunion, enden mit mehreren Nullen, z.B. „000 000“. Einige der inzwischen inaktiven Zahlensender verwendeten nach dem Signalwort „Ende“ auch noch Musik oder eine Wiederholung des Signals aus der Ankündigung (G03, G08).

Interferenz mit anderen Kurzwellennutzern

Da sich Zahlensender die Kurzwelle mit anderen Funkdiensten teilen müssen, kann es immer wieder zu „Überschneidungen“ (Interferenz) bei der Nutzung von Frequenzen kommen. Oftmals „verstecken“ sich die Zahlensender knapp ober- oder unterhalb von Rundfunkbändern, nicht selten tauchen sie sogar zwischen zwei Rundfunkstationen auf. Je nach Empfangsgebiet kann das den Empfang der Zahlenbotschaft massiv erschweren. Es wurden sogar Fälle beobachtet, bei denen zwei und sogar drei Zahlensender die gleiche Frequenz belegten. Dazu gibt es in den nachfolgenden Abschnitten einige Klangbeispiele.

Interferenzen mit Rundfunksendern

  • Der nordkoreanische Propagandasender Voice of Korea begann 2006 auf einer Frequenz des Lincolnshire Poachers E03 zu senden; auf 11545 kHz.[23] Da der Lincolnshire Poacher für gewöhnlich parallel auf drei verschiedenen Frequenzen sendet, kann man nicht von einem ernsthaften Störversuch sprechen. Das vermutete Zielgebiet dieses Zahlensenders ist der Mittlere Osten, nicht der Ferne Osten. Dieser wurde angeblich von der Schwesterstation des Lincolnshire Poachers versorgt, die den Spitznamen "Cherry Picker" oder "Cherry Ripe" E03a trägt. Hier das dazugehörige Tondokument:

  • Ein Zahlensender des westdeutschen BND mit der Kennung „Hotel Kilo“ G16 sendete auf 9450 kHz und kollidierte dabei mit Radio Moskau.
  • Der Kurzwellensender Radio Africa, welcher als Independent Voice of Zimbabwe aus Meyerton in Südafrika auf 4880 kHz sendete, konkurrierte mit der Mossad-Station E10 „ULX“.
  • Der religiöse Sender WYFR mit Heimat in Okeechobee, Florida, sendete zeitgleich mit dem kubanischen Zahlensender „V02“ auf der Frequenz 6855 kHz. Dies passierte öfter und war wohl auch von Kuba aus gezielt so eingerichtet worden. Zum einen, da beide Sender in entgegengesetzter Richtung senden und sich das Signal von V02 so in Richtung der USA quasi verstecken ließ. Auf der anderen Seite wird gleichzeitig das Signal von WYFR in anderen Empfangsgebieten bewusst stark gestört.
  • Radio Ukraine International benutzte die Frequenz 9950 kHz im 31-Meter-Band. Am 22. November 2007 um 16:10 UTC konnte man hier den starken russischen Zahlensender S06 hören, mit einem „call up“ für „425“:

  • Am 1. September 2009 wurde Radio Ukraine International erneut massiv auf 9950 kHz durch den Zahlensender S06 gestört. Der Zahlensender war zeitweise stärker als der Radiosender auf seiner offiziellen Frequenz.
  • 28.03.2010: Der russische E06 interferiert um 0132 UTC auf 5865 kHz mit einem Rundfunksender:

Interferenzen mit Funkamateuren

  • Am 27. September 2006 wurde eine Amateursendung im 30-Meter-Band durch den Zahlensender E07 „Russian Man“ um 17:40 UTC gestört.[24]

  • Der aus der Ukraine sendende S06s stört vier Monate im Jahr massiv im 15-Meter-Band der Funkamateure auf 14280,0 kHz, jeweils am Mittwochmorgen:

Interferenzen mit anderen Utility-Diensten

  • Der israelische Mossad E10 störte regelmäßig mit seiner kennzeichnung CIO auf 12950,0 kHz einen Arbeitskanal von DHJ59 (Marine Wilhelmshaven), so dass die Funker keine Schiffe mehr aus dem Bereich Mittelmeer und Indischer Ozean auf dieser Frequenz arbeiten konnten.
  • Des weiteren interferrierte E10 mit der Kennung ART auf 3415,0 kHz regelmäßig in den späten Abendstunden mit SHANNON VOLMET auf 3417,0 kHz:

  • Der „English Man“ E07 fällt mit seinem oberen Seitenband jeweils einen Monat im Jahr stark in die Frequenz der RAF VOLMET 5450,0 kHz ein:

Interferenzen von Zahlensendern untereinander

  • S06s interferiert in den Monaten März, April, September und Oktober jeden Dienstagmorgen um 0800 UTC mit HM01 auf 11635,0 kHz. Bei guten Ausbreitungsbedingungen sind beide Sender in etwa gleich stark zu hören:

  • Im September 2013 trafen sich G06 und E11/a am Freitagabend um 2000 UTC gemeinsam auf der Frequenz 7377,0 kHz:

Jammingversuche

Zahlensender waren und sind oft das Ziel von Störsendern, sogenannten Jammern. Zum Beispiel:

  • E10 YHF wurde von der mysteriösen „Chinese Music Station“ gestört. Dieser Störsender wird auch Chinese Firedrake Jammer genannt und im Golf von Tonkin auf Hainan vermutet, einem Teil der Volksrepublik China:[25]

  • E03 Lincolnshire Poacher war Anfang der 1990er Ziel eines „bubble“- bzw. „warble“-Jammers:

  • E14 „Cynthia (Count Control)“ war ebenfalls Ziel dieses Störsenders:

Künstlerische Rezeption

Zahlensender beeinflussen seit den späten 1980er-Jahren die Pop-Kultur. Abgesehen von einigen früheren Rezeptionen durch Bands und Musikprojekte erlebten die Zahlensender mit der zunehmendenen Digitalisierung der Musikproduktion (Sampling, HD-Recording, Track-Sequencing usw.) einen wahren Boom. So werden sie zur Stimmungsbildung aber zum Teil auch als „Lead-Gesang“ in modernen Musikproduktionen eingesetzt.

Aber auch im Film tauchen immer wieder Zahlensender auf, wenn auch überwiegend zur Mystifizierung von Handlugssträngen. Nur wenige Fernseh- und Kinoproduktionen zeigen Zahlensender als das, was sie wirklich sind.

Musik

Im Jahre 1997 veröffentlichte das englische Label Irdial-Discs das 4CD-Set The Conet Project: Recordings of Shortwave Numbers Stations, das zum Teil noch über AMAZON oder EBAY erhältlich ist[26]. Ein zwischenzeitlich verfügbarer freier Download ist offenbar nicht mehr online.

65daysofstatic, Porcupine Tree ("Even Less"), Stereolab ("Transient Random-Noise Bursts With Announcement - Pause"), Wilco, Chroma Key („Even The Waves“ – Stimme entspricht Sender „Swedish Rhapsody“) und We Were Promised Jetpacks ("A Half Built House") verwendeten in einzelnen Songs Samples von Zahlensenderaufnahmen.

Der österreichische Noisekünstler Subcarrier veröffentlichte 2007 eine freie Download-EP basierend auf Zahlensendermitschnitten.[27]

Die Gruppe Boards of Canada war streckenweise stark von Zahlensendern beeinflusst. In ihrem Song „Gyroscope“ sind verzerrte Einspielungen von E05 zu hören.

Kraftwerk veröffentlichte den Song „Numbers“, der allerdings keine Samples von Zahlensendern enthält sondern nur per Vocoder eingespielte Zahlenreihen nutzt.

Der kanadische Künstler Derek R. Audette veröffentlichte das Instrumentalstück Numbers Station, in welchem man authentische Aufnahmen von Zahlensendern hört.[28]

Die schwedische Band Covenant verwendete während ihrer Tour „United States of Mind“ im Jahre 2000 verschiedene Samples von Zahlensendern. Man kann diese auf dem Live-Album Synergy hören.

Der inzwischen leider verstorbene isländische Komponist Jóhann Jóhannsson verwendete Zahlensenderaufnahmen auf seinem Album Orphée von 2016[29]. In der Beschreibung zum Album heißt es bei JPC:

...
Orphée bietet eine vielseitige Klangpalette: Es gibt akustische Instrumente solistisch oder im Ensemble kombiniert mit Elektronik und den geheimnisvollen Lauten der »Nummernsender« auf Kurzwelle. Sie ist angelehnt an viele Facetten seiner vorangehenden Werke und bindet Musik für Solocello, Orgel, Streichquartett, Streichorchester und A-cappella-Gesang mit ein.

Kino und Fernsehen

Im deutschen Film Der Westen leuchtet! von 1982 sieht man den Agenten Harald Liebe, wie er Instruktionen vom Zahlensender des BND, G16 („Lima Golf“), empfängt und diese mit einem One-Time-Pad decodiert.[30]

Cameron Crowe verwendete mehrere solcher Aufnahmen in seinem Film Vanilla Sky mit Tom Cruise, um eine Aura der Verwirrung zu schaffen.

Die Zahlen 4, 8, 15, 16, 23 und 42 werden vom Zahlensender der Insel in der Fernsehserie Lost gesendet.

Im Buch sowie im Film Der längste Tag hören Mitglieder der Résistance BBC London, welcher scheinbar sinnlose Sätze wie „Ich mag siamesische Katzen“ oder „John hat einen langen Schnurrbart“ überträgt, welche codierte Nachrichten zum D-Day sind.

In dem deutschen Fernsehfilm Der Illegale von 1972 entschlüsselt der von Götz George gespielte Agent Grunwaldt per Zahlensender erhaltene Anweisungen.[31]

Im 1991 gedrehten amerikanischen Actionfilm Boy Soldiers sieht man gleich in drei Szenen das Abhören eines spanisch-mexikanischen Zahlensenders von einem Drogenschmuggler und Terroristen, der sich in einer Schule verschanzt hat.

In einer Folge der Fernsehserie Fringe (Staffel 3, Episode 6 "6955 kHz") geht es um Zahlensender. Ein mysteriöses Signal, welches parallel zu den Zahlen mitgesendet wird, löscht die Gedächtnisse der Zuhörer.

Im Actionthriller Numbers Station werden geheime Nachrichten von der CIA an Agenten mittels Zahlencodes übermittelt. Ein wesentlicher Teil der Handlung spielt in einer Sendestation.[32]

Der Film Förebudet – Sverige under attack, der im Jahr 1986 als Lehrfilm für das schwedische Militär produziert wurde und die Gefahr möglicher Sabotageakte fremder Mächte im schwedischen Staatsgebiet zum Inhalt hat, enthält eine Szene, in welcher damals schon das Thema der Zahlensender offen angesprochen wurde: Der Erzähler hört zu Hause Zahlensender ab und erklärt, dass jeder mit einem guten Kurzwellenempfänger diese mysteriösen, unverständlichen Zahlencodes hören kann und es sich dabei möglicherweise um Befehle an Agenten handeln könnte, feindliche Handlungen im Ausland vorzunehmen. In der Szene ist ein deutschsprachiger Zahlensender zu hören.

In einer Folge der Action-Krimiserie Navy CIS: L.A. (Staffel 8 Episode 20 *From Havana with love*) geht es um einen kubanischen Zahlensender.

Spiele

Im Ego-Shooter „Call of Duty: Black Ops“ spielt ein Zahlensender eine Hauptrolle in der Handlung. Der Protagonist des Spiels muss diesen schlussendlich zur Lösung einer Aufgabe finden.

Im Action-Rollenspiel „Fallout 3“ können an verschiedenen Stellen der Karte Übertragungen von Morsecodes im Radio empfangen werden, deren Ursprung unterirdische Bunker sind.

Siehe auch

Mehr zum Thema Zahlensender gibt es in unserem Zahlensender-Portal

Publikationen und Medien

  • Claudia Heissenberg: „Achtung: Fünnef, zwo, null, null, Trennung…“ Geheimdienste auf Sendung. Feature. Deutschlandfunk, 16. September 2003. Online-Version (Link auf der Seite ganz oben führt zur Audio-Version.)
  • Patrick Woods auf netzwelt.de: Agentenfunk - James Bond liegt in der Luft. 2. September 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Olivia Sorrel-Dejerine: The Spooky World Of Numbers Stations auf bbc.co.uk, 16.04.2014, abgerufen am 11.04.2018
  2. The Shortwave And the Calling: For Akin Fernandez, Cryptic Messages Became Music To His Ears. In: The Washington Post 3. August 2004.
  3. NSRIC, Ryan Schaum and Māris Goldmanis: World War I: 100 Years of Espionage, abgerufen am 11.04.2018
  4. ENIGMA Newsletter Nr. 12, Seite 29: Letters to E.N.I.G.M.A.
  5. Wallace, Robert; Melton, H. Keit (2008). Spycraft: The Secret History of the CIA's Spytechs, from Communism to al-Qaeda.
  6. „Photos of Soviet Embassy Antenna Farms“
  7. PRIYOM.ORG: CZECH INTEL CONFIRMS IT USED TO RUN A NUMBERS STATION, 04.03.2014, abgerufen am 05.04.2018
  8. Priyom Releases a Top Secret Document about Numbers, 17.06.2014, abgerufen am 05.04.2018
  9. Swedish Security Service Tells us about their Numbers Stations Experience 24.01.2015, abgerufen am 05.04.2018
  10. Lyssna på ett hemligt telegram (Übersetzung: Lausche dem geheimen Telegram), Webseite des schwedischen Sicherheitsdienstes, 23.01.2015, abgerufen am 05.04.2018
  11. http://www.numbersoddities.nl/N&O-190.pdf#page=2 N&O Ausgabe 190, Seite 2], abgerufen am 05.04.2018
  12. N&O Ausgabe 200, Seite 3ff, abgerufen am 05.04.2018
  13. Pescovitz, David (16 September 1999). „Counting spies“. Magazin Salon. [https://web.archive.org/web/20000119102137/http://salon.com/people/feature/1999/09/16/numbers/print.html Archiviert vom Original am 19.01.2000, abgerufen am 11.04.2018
  14. Jan Bury: „The U.S. and West German Agent Radio Ciphers“, aus Cryptologia, Volume 31, Issue 4, von OKtober 2007 , Seiten 343 - 357, Seite 12 (PDF) beschreibt die Sender DFC37 und DFD21
  15. Artikel auf NUMBERS-STATIONS.COM: „Recording and Instruction About the Cold War Era Western Numbers Stations in KGB Archive“
  16. [https://www.numbers-stations.com/articles/kgb-numbers-stations-archive/ Māris Goldmanis: „KGB’s monitoring effort of Number Stations during the Cold War in Latvia“[ auf NUMBERS-STATIONS.COM
  17. N&O Ausgabe 200, Seite 3ff, abgerufen am 05.04.2018
  18. (Smolinski: Final Project.doc reported by Mays] (nicht online verfügbar!)
  19. Weltweit Hören, Heft 2/1976, Seite 28, abgerufen am 11.04.2018
  20. Donald W. Schimmel: The Underground Frequency Guide: A Directory of Unusual, Illegal, and Covert Radio Communications. (3rd ed.) [Solana Beach, CA: High Text Publications, Inc., 1994], pp. 27–28.
  21. Barry W. Collins, W4TLV: The day the U.S. Army invaded W4TLV. QST, pp. 48–49 (Juli 1997)
  22. Fifteenth edition of the N&O column / Spooks newsletter: Voice stations: Hans-Friedrich's monthly G04 analysis.
  23. The Voice of Korea in early 2006 changed one of its frequencies to 11545 kHz
  24. E7 Russian man interferes with legitimate radio amateur Morse transmissions on 10116 kHz
  25. PDF bei www.iarums-r1.org
  26. Produktseite des Conet-Projects bei IRDIAL DISCS, abgerufen am 11.04.2018
  27. Downloadseite von Subcarrier
  28. This track also features strange, sampled female voice loops captured from 'spy/espionage' numbers station shortwave radio broadcasts
  29. Das Album Orphée im SHop von JPC mit Hörproben, abgerufen am 11.04.2018
  30. "Der Westen leuchtet!" auf den Webseiten von Simon Mason, abgerufen am 11.04.2018, archivierte Version, abgerufen am 11.04.2018
  31. Ausschnitt aus Der Illegale: Der Agent kauft ein Transistorradio, baut es in seinem Zimmer auf, empfängt später eine Botschaft von G08 und entschlüsselt diese. Abgerufen am 11.04.2018
  32. The Number Station in der englischsprachigen Internet Movie Database


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Quelle: Wikipedia!


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